VR-Brillen bringen Hospizgäste ans Meer zurück

In den St. Barbara Hospizen können schwerkranke Menschen mit Virtual-Reality-Brillen virtuell an vertraute Orte reisen. Das Rote Kreuz testet die Technologie bis Jahresende an drei Standorten in Oberösterreich.
Kroatien, Hallstatt oder der Gmundner Stadtplatz – Orte, die für viele Hospizgäste unerreichbar geworden sind. Mit VR-Brillen können sie diese Plätze nun virtuell besuchen. Das Oberösterreichische Rote Kreuz ermöglicht gemeinsam mit Projektpartnern schwerkranken Menschen solche Ausflüge. Bis Jahresende läuft die Testphase in den St. Barbara Hospizen in Linz, Ried und Vöcklabruck.
Ein Gast im Tageshospiz Vöcklabruck konnte so noch einmal nach Kroatien zurückkehren, wo er jahrelang Urlaub gemacht hatte. Zwei weitere Gäste erkundeten gemeinsam Hallstatt. „Solche Erlebnisse bringen Abwechslung in den Alltag“, berichtet Natascha Illig, die sich freiwillig im St. Barbara Hospiz Vöcklabruck engagiert. Die Menschen freuten sich darauf, ihren Angehörigen davon zu erzählen.
Erinnerungen wecken und teilen
Die virtuellen Bilder sollen ähnlich wie ein Fotoalbum Erinnerungen wachrufen und zum Erzählen einladen. „Am Ende des Lebens sind es oft die kleinen Momente, die besonders wertvoll sind“, sagt Dipl.-Päd. Gottfried Hirz, Präsident des Oberösterreichischen Roten Kreuzes. Die VR-Brillen ermöglichten es, vertraute Orte noch einmal zu erleben und gemeinsam mit Angehörigen besondere Augenblicke zu verbringen.
Geschulte freiwillige Hospizmitarbeitende begleiten die Ausflüge. Mehr als 135 Destinationen stehen zur Auswahl. Die Freiwilligen steuern über ein Tablet den virtuellen Ausflug, greifen Erinnerungen auf und schaffen Raum für Gespräche. Die Brillen können im Sitzen oder direkt vom Bett aus genutzt werden. Auch Angehörige können teilnehmen: Zwei Personen können gleichzeitig denselben virtuellen Ort besuchen.
Pilotphase zeigt positive Ergebnisse
Das Projekt „Virtuelle Lichtblicke – Menschlichkeit trifft Innovation“ wird gemeinsam mit dem Zentrum für Zivilgesellschaft – Verein füruns und dem VR-Anbieter VitaBlick umgesetzt. Nach einer erfolgreichen Pilotphase in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung wird die Technologie nun im Hospizbereich erprobt. Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Rund 90 Prozent der Teilnehmenden fühlten sich bei den virtuellen Ausflügen sehr wohl, zwei Drittel berichteten von wiederentdeckten Erinnerungen.
Andrea Hartinger, Hospizkoordinatorin in Ried, betont: „Für uns steht nicht die Technik im Vordergrund, sondern der Mensch und die Möglichkeit, ein Stück Lebensqualität, Freude und Zeit miteinander zu schenken.“ Die VR-Brille könne Menschen noch einmal an ganz besondere Orte führen und ihnen Momente schenken, die aufgrund ihrer Erkrankung im realen Leben nicht mehr möglich seien.
Neuer Hospizstandort in Steyr
Das Sankt Barbara Hospiz in Steyr eröffnete am 13. Oktober . Der neue Standort in der Sierningerstraße 170 umfasst ein stationäres Hospiz und ein Tageshospiz. Schwerkranke Menschen werden dort gemeinsam mit ihren Angehörigen in ihrer letzten Lebensphase begleitet.
Das Oberösterreichische Rote Kreuz ist Mitträger der St. Barbara Hospize und verantwortlich für die freiwillige Hospizbegleitung.
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