VW-Krise bedroht 6.000 Jobs in Österreich

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Umbau beim Volkswagen-Konzern trifft die heimische Zulieferindustrie massiv. Laut einer Studie sind hierzulande rund 6.000 Arbeitsplätze direkt betroffen. 135 österreichische Firmen haben Verbindungen zu VW.

Die österreichische Zulieferindustrie ist eng mit den deutschen Autoherstellern verflochten – 65 Prozent der heimischen Unternehmen beliefern direkt den nördlichen Nachbarn. Was jahrzehntelang ein Segen war, bereitet nun Sorgen. Der Komplettumbau beim Volkswagen-Konzern gefährdet in Österreich etwa 6.000 Arbeitsplätze direkt, wie aus einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria vom Dezember 2024 hervorgeht.

135 österreichische Unternehmen weisen laut der Studie Verbindungen zu VW auf. Die Porsche Holding in Salzburg fungiert als Vertriebsschiene des VW-Konzerns in Österreich und Südosteuropa und zählt zu den umsatzstärksten Unternehmen der Republik.

Porsche Holding mit starkem Neuwagenabsatz

Im Jahr 2005 steigerte die Holding ihren Neuwagenabsatz in den 29 Ländern, in denen sie tätig ist, um 58,9 Prozent auf 874.830 Fahrzeuge. Zusätzlich wurden 222.964 Gebrauchtautos verkauft, ein Plus von 0,5 Prozent. In China verlief das Geschäft weniger erfolgreich – dort zogen die Salzburger das dritte Jahr in Folge die Handbremse an.

Das Unternehmen beschreibt sich auf seiner Homepage als größtes und erfolgreichstes Automobilhandelshaus Europas mit mehr als 36.900 Mitarbeitern weltweit.

110.000 Jobs hängen an der Branche

Laut Statistik Austria waren im Jahr 2022 insgesamt 37.033 Menschen direkt in der Herstellung von Kraftfahrzeugen, Anhängern und Sattelaufliegern beschäftigt. Unter Berücksichtigung indirekter und induzierter Effekte hängen in Österreich etwa 110.000 Arbeitsplätze von dieser Branche ab, heißt es in der Supply Chain-Studie. Die österreichische Automobilindustrie produziert demnach Waren im Gesamtwert von 28,5 Milliarden Euro, wovon 85 Prozent exportiert werden.

Magna, BMW und KTM als große Namen

Zu den bekannten Unternehmen der heimischen Kfz-Industrie zählen Magna Steyr in Graz, BMW Motoren in Steyr, Bajaj/KTM in Wels und Mattighofen sowie AVL List in Graz. Ein globaler Player im Bereich Motoren für Militärfahrzeuge ist Steyr Motors. Stark im Militärsegment verankert sind auch die Tiroler Firmen Achleitner und Empl sowie insbesondere Rheinmetall MAN Military Vehicles in Wien.

Der Jobabbau in der Kfz-Branche reichte in den vergangenen Jahren vom Branchenprimus Magna bis zu mittelständischen Unternehmen wie ZKW in Wieselburg in Niederösterreich. Zuletzt machte der insolvente Autozulieferer Eitek in Ebergassing in Niederösterreich Schlagzeilen. Ein Zweig der Unternehmerfamilie Kapsch rund um Kari Kapsch übernahm im Rahmen eines Insolvenzauswahlverfahrens Teile des Unternehmens. Zu den Kunden von Eitek zählten unter anderem Audi, VW, Porsche, BMW, Mercedes, Lamborghini, Maserati, Alfa Romeo und Magna.

Opel-Werk Aspern geschlossen

Im Jahr 2024 schloss mit dem Opel-Getriebestandort Wien-Aspern ein einstiger Vorzeigebetrieb endgültig seine Pforten. 300 Beschäftigte waren noch verblieben, das letzte Getriebe wurde dem Wien Museum übergeben.

Österreichische Staatsbürger im VW-Aufsichtsrat

Die Verflechtung Österreichs mit Deutschland ist nicht nur industrieller, sondern auch persönlicher Natur. Sechs der zehn Vertreter der Eigentümer-Seite im Aufsichtsrat sind österreichische Staatsbürger, berichtet die Kronen Zeitung.

An der Spitze steht der in Traun in Oberösterreich geborene Hans Dieter Pötsch. Der 75-Jährige ist Aufsichtsratsvorsitzender von VW und gilt als engster Vertrauter der Eigentümerfamilien. An deren Spitze stehen Wolfgang Porsche (83) und Hans Michel Piëch (84) – Enkel des Auto-Pioniers und Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche. Komplettiert wird das österreichische Quintett durch Ferdinand Oliver Porsche und Rechtsanwalt Günther Horvath. Weiters kehrte die in Krems geborene Managerin Marianne Heiß (53) am Donnerstag in den VW-Aufsichtsrat zurück.

Quelle: APA

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