Wärmepumpe im Altbau: Kärntner saniert erfolgreich

Ein Hausbesitzer aus Ferlach zeigt, wie die Modernisierung eines Eigenheims aus den 1960er-Jahren gelingt. Mit Dämmung, Wärmepumpe und Photovoltaik senkte er seine Energiekosten deutlich – trotz alter Heizkörper.
Zahlreiche Eigenheime in Kärnten wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren errichtet. Die Bausubstanz ist häufig solide, doch Energieverbrauch und Wohnkomfort erfüllen nicht mehr heutige Anforderungen. Das Beispiel von Walter Jagoutz aus Ferlach demonstriert, wie eine schrittweise Sanierung funktionieren kann.
Schrittweise Modernisierung statt Komplettumbau
Jagoutz zog 2009 in das elterliche Haus aus dem Jahr 1962 im Rosental ein. Der erste Schritt: Dämmmaßnahmen und thermische Sanierung. Je besser der energetische Zustand eines Gebäudes, desto effizienter kann eine Wärmepumpe später arbeiten.
Seit 1998 war bereits eine Solarthermie-Anlage installiert, die weiterhin Warmwasser liefert. Darauf aufbauend verbesserte Jagoutz die Gebäudehülle und ergänzte nach und nach moderne Komponenten.
Typische Schritte bei einer Altbausanierung umfassen die Prüfung des Dämmstandards von Fassade, Dach, Kellerdecke und Fenstern, die Aufnahme der bestehenden Heizanlage und Heizkörper sowie die Bewertung der Warmwasserbereitung. Auch Stromverbrauch und künftige Nutzung sollten eingeplant werden.
Vom Ölkessel zur Wärmepumpe
Ursprünglich heizte der Hausbesitzer mit einer Ölheizung. Über 1.300 Liter Heizöl pro Jahr, komplizierte Betankung und dennoch kühle Räume im Winter – die alte Anlage entsprach nicht mehr seinen Vorstellungen von einem komfortablen Eigenheim.
Den Anstoß zum Umstieg gab der Pool im Garten. Weil keine passende Überdachung möglich war, entschied sich Jagoutz 2017 für eine kleine Wärmepumpe als Poolheizung. Die Erfahrung überzeugte: leiser Betrieb, verlässliche Leistung und spürbarer Komfortgewinn.
Vorurteile widerlegt
Häufige Bedenken beim Umstieg auf eine Wärmepumpe im Altbau lauten: Sie funktioniere nur mit Fußbodenheizung, alte Heizkörper passten nicht dazu, im Winter werde es nicht warm genug.
Das Beispiel aus Ferlach zeigt das Gegenteil: Im Haus von Jagoutz sorgen die bestehenden Heizkörper, die korrekt ausgelegt und eingestellt wurden, für angenehme Wärme – auch an kalten Wintertagen. Entscheidend ist der energetische Zustand des Gebäudes und eine sorgfältige Planung.
Durch die neue Betriebsweise und intelligente Steuerung ist es im Haus nun deutlich wärmer als früher mit der Ölheizung. Die Wärmepumpe arbeitet leise, gleichmäßig und nahezu wartungsfrei.
Energieberatung als Grundlage
Jagoutz wandte sich bei der Häuslbauermesse in Klagenfurt an die Energieberater der Kelag. In einer umfassenden Analyse wurden Dämmstandard, Heizwärmebedarf, bestehende Heizkörper, Nutzungsverhalten und vorhandene Anlagen wie Solarthermie und Photovoltaik betrachtet.
Auf dieser Basis entstand ein maßgeschneidertes Konzept, das auf sinnvolle Dimensionierung statt auf möglichst viel Technik setzte. Kelag-Energieberater Christian Oberdorfer informierte über technische Aspekte, Fördermöglichkeiten und realistische Wirtschaftlichkeitsrechnungen.
Wärmepumpe und Photovoltaik im Zusammenspiel
Nach der ersten Pool-Wärmepumpe folgte 2018 eine Photovoltaik-Anlage mit 2,4 kWp speziell für den Betrieb der Schwimmbecken-Wärmepumpe. Heute arbeiten im Eigenheim eine moderne Wärmepumpe und eine größere PV-Anlage mit insgesamt 23 Paneelen zusammen – ausgerichtet nach Osten, Westen und Süden.
Besonders in der Übergangszeit ergänzen sich beide Systeme: Ein großer Teil des Strombedarfs der Wärmepumpe wird direkt vom eigenen Dach gedeckt. Überschüsse werden ins Netz eingespeist. Dank Notstromfunktion bleibt das Haus auch bei Stromausfall versorgt.
Vorteile der Kombination sind hoher Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms, besser planbare Energiekosten, Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Komfortgewinn durch automatisierte, leise Technik.
Einsparungen und realistische Erwartungen
Jagoutz protokolliert seine Energiedaten gewissenhaft am Tablet. Im Vergleich zu früher liegen seine Energiekosten für Haushaltsstrom und Heizung deutlich niedriger, bei spürbar höherem Komfort.
Jeder Altbau ist jedoch anders. Baujahr, Dämmung, Lage in Kärnten und persönliches Verhalten wirken sich auf Verbrauch und mögliche Einsparungen aus. Die Erfahrung zeigt, dass sich Nachhaltigkeit und Leistbarkeit gut verbinden lassen, wenn ein stimmiges Gesamtkonzept geplant wird.
Förderungen und Prämien
Für den Umstieg auf eine Wärmepumpe stehen in Kärnten Fördermittel von Bund und Land zur Verfügung. Im Rahmen der Bundesförderung „Kesseltausch 2026“ werden Haushalte mit bis zu 7.500 Euro beim Umstieg auf Luftwärmepumpen unterstützt. Die Landesförderung Kärnten sieht laut aktuellen Richtlinien bis zu 3.000 Euro für den Austausch eines fossilen Heizsystems vor.
Die Kelag bietet ihren Kunden zusätzlich Prämien: 1.200 Euro bei der Anschaffung einer Wärmepumpe zum Heizungszweck, 800 Euro bei Finanzierung über die Kärntner Raiffeisenbanken, 600 Euro für Warmwasser-Wärmepumpen beim Kauf im Kelag-Webshop und 300 Euro bei Nachrüstung einer Internetanbindung.
Typische Fehler vermeiden
Das Beispiel aus Ferlach zeigt, worauf es ankommt. Typische Fehler sind: nur das Heizgerät tauschen, ohne den energetischen Zustand des Hauses zu berücksichtigen, Vorurteile über die Wärmepumpe im Altbau ungeprüft übernehmen, Fördermöglichkeiten zu spät prüfen und Technik ohne klares Nutzungskonzept planen.
Eine praktische Checkliste für Altbau-Besitzer in Kärnten umfasst: Zielbild klären, Gebäudezustand bewerten, bestehende Technik erfassen, Energieberatung in Anspruch nehmen, Wärmepumpe und Photovoltaik gemeinsam denken, Förderungen und Prämien prüfen sowie schrittweise Umsetzung planen.
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