Waldbrandsaison: Experte sieht Klimawandel als Ursache

Mathias FischerMathias Fischer
© Vadim Braydov / Pexels (Symbolbild)

Die aktuelle Waldbrandsaison hat in Österreich bereits rund 270 Brände verursacht – knapp 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Experte Florian Kraxner vom IIASA warnt: Die Feuer seien ein direkter Ausdruck des Klimawandels, und die Saison sei noch lange nicht vorbei.

Nach dem großflächigen Waldbrand in den Föhrenwäldern nahe Wiener Neustadt, der erst kürzlich nach Tagen gelöscht werden konnte, zieht Forscher Florian Kraxner vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien Bilanz. Es handle sich um den größten Brand der laufenden Saison, die bisher für rund 270 Feuer im Land gesorgt habe. In der Aufarbeitung komme bisher zu kurz, dass Waldbrände ein Ausdruck des Klimawandels seien, so Kraxner im Gespräch mit der APA.

Die Entwicklung der Feuer in Österreich dokumentiert ein Team um Mortimer Müller vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (Boku). Kurzfristige Prognosen für etwa drei Tage liefert die Geosphere Austria. Das Team um Kraxner und Andrey Krasovskiy vom IIASA betreibt zudem das Modell "FLAM", das auf tagesaktuellen Daten basiert und weiter in die Zukunft blickt, um künftige Waldbrand-Hotspots zu identifizieren.

Mittelfristig konstante Steigerung erwartet

Für Österreich sei mittelfristig eine konstante Steigerung der Waldbrände zu erwarten, erklärt der Wissenschafter. Als Beschleuniger wirke der fortschreitende Klimawandel, dessen Beitrag in der Berichterstattung über die riesigen Brände des heurigen Sommers in Frankreich oder Spanien sowie zu den heimischen Brandereignissen bisher zu wenig herausgestrichen werde. Dass es auch hierzulande aufgrund der im internationalen Vergleich sehr ausgeprägten treibhausgasbedingten Temperaturerhöhung häufiger zu Situationen wie der aktuellen beispiellosen Hitze- und Dürrephase kommen werde, liege auf der Hand. „Wer jetzt noch nicht aufwacht, hat es wirklich nicht kapiert“, so Kraxner.

Der Groß-Waldbrand im niederösterreichischen Kiefern- und Föhrenwald sei von entsorgter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst worden. Dies sei nicht überraschend gewesen, da diese dort nahezu jedes Jahr einen Brand verursache, weiß Kraxner aus Begehungen mit den Förstern. Unter den heurigen Bedingungen habe das Feuer jedoch schnell deutlich größere Ausmaße erreicht. Genau daran sehe man, wie sich die Bedingungen in Richtung Begünstigung von Waldbränden verändern.

Fünffache Menge an Wald bereits abgebrannt

Heuer ist bereits die rund fünffache Menge an Wald abgebrannt, die in einem sonstigen Durchschnittsjahr vernichtet wird. Aktuell sei davon auszugehen, dass die extreme Trockenheit noch wochenlang bestehen bleiben könnte. Im Vergleich sei aber erst der Herbst die Jahreszeit mit den meisten Waldbränden in Österreich.

„Der Link zum Klimawandel ist eindeutig“, selbst wenn es sich heuer um ein Extremjahr – auch in Verbindung mit dem Wetterphänomen "El Niño" – handeln dürfte, so Kraxner. Von der großen Wetter- und Klimaperspektive schließe man auf die Brandsituation der Zukunft, in Gesamt-Österreich und mit besonderem Fokus auf Niederösterreich. Im Rahmen des Forschungsprojekts "Austria Fire Futures" (AFF) in Kooperation mit der Boku und dem Bundesforschungszentrum Wald (BFW) zeige sich: „Dort, wo es immer schon brennt, wird es noch mehr brennen“, was vor allem auf Teile Niederösterreichs und Tirols zutreffe.

Neue Gebiete mit erhöhter Brandgefahr

Laut den Modellen steige aber auch in neuen Gegenden die Brandwahrscheinlichkeit: So zum Beispiel entlang der Donau in etwa zwischen Wien und Bratislava. Wenn dort die Dürre in Zukunft für ausgeprägte Niedrigwasserstände sorge – ähnlich wie gerade jetzt –, könnten auch Nebenarme des Stromes kaum mehr Wasser führen und kaum mehr Feuchtigkeit an potenziell brennbares Material abgeben. „Die Möglichkeit, dass es dort brennt, wird in zukünftigen Jahren höher werden als bisher“, so Kraxner.

Wer gedacht habe, dass der Klimawandel und seine mannigfaltigen Auswirkungen an uns quasi vorbeiziehen, liege falsch: „Österreich wird auf keinen Fall verschont.“ Der Alpenraum und Zentraleuropa erwärme sich bekanntlich vergleichsweise sehr stark und rasch. Sehe man sich an, wie gerade das 1,5-Grad-Ziel verfehlt werde, stelle man sich die Frage, ob die Politik in Krisenzeiten hier tatsächlich vorausschauend die richtigen Schritte in Richtung Dekarbonisierung setze.

Bewusstsein für Klimakrise steigt möglicherweise

Der aktuelle Rekordsommer und die Rekordtrockenheit, die eigentlich bereits im Winter bzw. in den vergangenen Jahren mit tendenziell im Schnitt zu wenig Regen in vielen Regionen begann, könnten vielleicht helfen, dass das Bewusstsein für die beunruhigenden Abläufe steige. Spreche man mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster wissenschaftlicher Fachrichtungen, dann würden alle im Prinzip die gleiche Geschichte erzählen. Sieht man sich die momentanen Schäden in der Landwirtschaft und den nachvollziehbaren Ruf nach Hilfen an, dann frage man sich, wie oft künftig solche Pakete noch geschnürt werden können. „Wir können uns ja nicht einmal Umwelt- und Klimaschutz leisten“, so Kraxner.

Weitere Informationen: Waldbrandstatistik unter fire.boku.ac.at/firedb/de und waldbrand.at; FLAM-Modell unter iiasa.ac.at/flam; Infos zu "Austria Fire Futures" unter iiasa.ac.at/projects/austria-fire-futures und klimafonds.gv.at/projekt/austria-fire-futures; SITCA-Allianz unter sitca.earth

Quelle: APA

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