Waldviertel beherbergt bedeutendste Großvogelbestände

Wissenschaftliche Daten belegen außergewöhnliche Konzentration seltener Vogelarten im nördlichen Waldviertel. Die Umweltorganisation Pro Thayatal kritisiert, dass nur 6,54 Prozent der Fläche als Vogelschutzgebiet ausgewiesen sind.
Aktuelle wissenschaftliche Erhebungen dokumentieren eine bemerkenswerte Häufung geschützter Vogelarten im nördlichen Waldviertel. Kornweihe, Wiesenweihe, Seeadler, Schwarzstorch, Rotmilan, Rohrweihe, Kranich und Raubwürger kommen hier in Beständen vor, die national und teils mitteleuropäisch bedeutsam sind.
Nahezu gesamter österreichischer Kornweihen-Bestand
Besonders auffällig ist die Situation bei den Weihen: Im Waldviertel wurden zuletzt 37 bis 38 Kornweihen-Paare nachgewiesen – das entspricht nahezu dem gesamten österreichischen Brutbestand. Das aktuelle Großvogel-Monitoring stuft das nordöstliche Waldviertel als bedeutendstes Kornweihen-Brutgebiet Mitteleuropas ein.
Bei der Wiesenweihe brüten 80 bis 90 Prozent des österreichischen Bestandes im nördlichen Waldviertel. Die Rohrweihe ist mit 128 bis 159 Paaren vertreten, was rund einem Drittel des österreichischen Bestandes entspricht.
Seeadler, Rotmilan und einzige Kranich-Vorkommen
Das Großvogel-Monitoring ermittelte im Waldviertel 67 von 123 in Österreich revierhaltenden Seeadlerpaaren. Der Bestand des Rotmilans wird auf 51 bis 82 Brutpaare geschätzt, jener des Schwarzstorchs auf 22 bis 48 Paare – das sind etwa 9 bis 14 Prozent des österreichischen Bestandes.
Beim Kranich wurden sieben Reviere bestätigt, der aktuelle Brutbestand wird auf fünf bis sieben Paare geschätzt. Laut Großvogel-Monitoring befinden sich die einzigen derzeit bekannten österreichischen Kranichvorkommen in dieser Region.
Beim Raubwürger wurden 2023 allein im nördlichen Waldviertel rund 27 Brutpaare festgestellt – der höchste dort jemals dokumentierte Bestand.
Nur 6,54 Prozent als Schutzgebiet ausgewiesen
Diesen Bestandszahlen steht eine erhebliche Schutzlücke gegenüber: Aktuell sind lediglich 6,54 Prozent der Fläche des nördlichen Waldviertels durch Natura-2000-Vogelschutzgebiete abgedeckt. Der überwiegende Teil der bedeutenden Großvogelvorkommen liegt damit außerhalb bestehender Schutzgebiete.
Die Umweltorganisation Pro Thayatal fordert, dass die Region entsprechend ihrer tatsächlichen Bedeutung behandelt werden müsse. Wenn nahezu der gesamte österreichische Bestand der Kornweihen, 80 bis 90 Prozent der Wiesenweihen, bedeutende Bestände von Seeadler, Schwarzstorch, Rotmilan und Rohrweihe sowie die derzeit einzigen bekannten Kranichvorkommen Österreichs in einer Region konzentriert seien, müsse dies Konsequenzen haben.
Konflikt mit Windkraft-Ausbau
Problematisch sei, dass das aktuelle Großvogel-Monitoring gerade im nördlichen und nordöstlichen Waldviertel großflächig hohe bis sehr hohe Sensibilitäten der geschützten Vogelarten gegenüber Windkraftanlagen ausweise. Trotzdem seien im Jahr 2024 im Zuge der 1. Novelle des Sektoralen Raumordnungsprogramms Windkraft in Niederösterreich weitere neue Windkraftzonen im Waldviertel ausgewiesen worden.
Pro Thayatal fordert, die neuen wissenschaftlichen Bestandsdaten vor weiteren raumplanerischen Entscheidungen über Windkraftstandorte im nördlichen Waldviertel vollständig zu berücksichtigen und die bestehenden Kriterien für Schutzgebiete fachlich zu überprüfen. Es sei insbesondere zu prüfen, welche bisher nicht geschützten Brut-, Nahrungs-, Rast- und Zuggebiete aufgrund ihrer Bedeutung in das Natura-2000-Vogelschutzgebietsnetz aufgenommen beziehungsweise bestehende Schutzgebiete erweitert werden müssen.
Die Vögel hielten sich nicht an derzeit bestehende Schutzgebietsgrenzen, argumentiert die Organisation. Wenn wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass mehr als 93 Prozent des nördlichen Waldviertels außerhalb der Vogelschutzgebiete liegen, gleichzeitig aber genau hier einige der bedeutendsten Großvogelbestände Österreichs vorkommen, bestehe dringender Handlungsbedarf. Das nördliche Waldviertel müsse als das behandelt werden, was die aktuellen Daten dokumentieren: eine der bedeutendsten Großvogelregionen Österreichs.
Quelle: OTS
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