Waldviertel: Immobilienpreise steigen wieder deutlich

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 stabil. Nach dem Preisrückgang 2023 und 2024 zogen die Preise für Einfamilienhäuser 2025 um 27 Prozent an. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, besonders bei Bestandsobjekten in gutem Zustand.

Im Waldviertel wurden im Jahr 2025 insgesamt 1.855 Immobilien verkauft, das entspricht einem Gesamtwert von 196 Millionen Euro. Das bedeutet eine leichte Zunahme gegenüber 2024, liegt aber unter den Boom-Jahren 2021 und 2022. Im ersten Halbjahr 2026 blieben sowohl die Anzahl der Verkäufe (642 nach 650) als auch das Transaktionsvolumen (53 nach 52 Millionen Euro) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu konstant.

Ing. Mag. (FH) Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien in Niederösterreich, Wien und Burgenland, beschreibt die Situation: „Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich insgesamt wieder freundlicher. Allerdings trifft eine aktuell wieder steigende Nachfrage auf stagnierendes Angebot, insbesondere bei neuen Immobilien.“

Deutlicher Preisanstieg bei Häusern und Grundstücken

Nach dem Einbruch in den Jahren 2023 und 2024, der vor allem auf gestiegene Zinsen und strengere Kreditvergaberichtlinien zurückzuführen war, stabilisierte sich der Markt 2025 wieder. Für ein Einfamilienhaus, die gefragteste Immobilienart in der Region, mussten Käufer 2025 rund 2.300 Euro pro Quadratmeter zahlen – ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 1.800 Euro pro Quadratmeter).

Auch Grundstücke verteuerten sich: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis kletterte von 20 auf 26 Euro. Laut Weinberger haben die Grundstückspreise damit beinahe wieder das Niveau des Boom-Jahres 2022 erreicht, als der Quadratmeter bis zu 30 Euro kostete. Bei Häusern sei noch Luft nach oben, in den Corona-Jahren 2021 und 2022 seien bis zu 2.600 Euro je Quadratmeter bezahlt worden. Wohnungen waren 2025 mit rund 2.400 Euro pro Quadratmeter etwas günstiger als im Vorjahr (2.700 Euro pro Quadratmeter).

Bestandsobjekte stark gefragt

Auch im ersten Halbjahr 2026 verzeichnet Raiffeisen Immobilien im Waldviertel hohes Interesse an Wohnimmobilien bei stabilen bis leicht steigenden Preisen. Besonders Einfamilienhäuser seien gefragt, vor allem Bestandsobjekte in gutem Bauzustand. Das entsprechende Angebot sei jedoch knapp. Angesichts stark gestiegener Baukosten stellten bestehende Häuser für eine wachsende Kundengruppe eine attraktive Alternative zum Neubau dar, so Weinberger.

Gebrauchte Objekte würden bei Bedarf schrittweise saniert und an die Bedürfnisse der neuen Eigentümer angepasst. Hier punkte das Waldviertel mit einem breiten Angebot an vergleichsweise günstigen Handwerksbetrieben.

Klimatische Vorteile locken Interessenten

Auch während der Hitzewellen des heurigen Sommers blieb das Interesse laut Raiffeisen Immobilien auf hohem Niveau. Weinberger erklärt: „Menschen aus den Ballungszentren entdecken das klimatisch angenehmere Waldviertel wieder verstärkt für sich. Dazu zählen sowohl Interessent:innen an einem Zweitwohnsitz als auch Best Ager, die hier einen attraktiven Wohnort für ihren nächsten Lebensabschnitt finden wollen.“

Zweitwohnsitzer wie Best-Ager suchten kleine bis mittelgroße Landhäuser bis 150 oder 170 Quadratmeter. Davon gebe es im Waldviertel definitiv zu wenige in gutem Zustand, so Weinberger.

Positive Wanderungsbilanz trotz Geburtenrückgang

Im vergangenen Jahr zogen laut Statistik Austria 5.285 Menschen in die NUTS3-Region Waldviertel und gründeten hier ihren Hauptwohnsitz. 1.269 davon kamen aus Wien, 542 aus dem Wiener Umland. Somit zogen 329 Personen mehr zu als weg. Die Bezirke Gmünd, Horn, Krems Land und Waidhofen an der Thaya sowie die Stadt Krems verzeichneten ebenfalls eine positive Wanderungsbilanz, mit Ausnahme des Bezirkes Zwettl mit einem leichten Minus von 97 Personen.

Bei der Geburtenbilanz zeigt sich ein anderes Bild: 1.519 Geburten stehen 2.571 Sterbefällen gegenüber, was zu einem Minus von 1.052 führt. Die positive Wanderung schafft es demnach nicht, die stark negative Geburtenbilanz auszugleichen und den leichten Bevölkerungsrückgang gänzlich zu stoppen.

Patrick Layr, Obmann des Vereins Interkomm und Bürgermeister von Weitra, betont: „Zuzug ist und bleibt wichtig für das Waldviertel! Daher möchten wir das Waldviertel und das Lebensgefühl hier sichtbar machen und zeigen, wie modernes Leben in der Region tatsächlich aussieht!“ Seit Projektstart der Initiative „Wohnen im Waldviertel – Wo das Leben neu beginnt“ im Jahr 2008 seien insgesamt 88.953 Hauptwohnsitze im Waldviertel gegründet worden.

Sicherheit als Zuzugsmotiv

Trotz schlechter Konjunkturlage, steigender Zinsen und allgemeiner Verunsicherung haben Menschen auch im letzten Jahr im Waldviertel Wohnraum geschaffen. Regionalentwickler Josef Wallenberger erklärt: „Neben dem noch leistbaren Wohnraum und der enormen Lebensqualität ist es das Thema Sicherheit, das die Menschen vom Wohnen im Waldviertel überzeugt.“ Gemeint seien finanzielle Sicherheit, berufliche Sicherheit, Versorgungssicherheit, Lebensqualität und Stabilität.

Die stärkste Gruppe der Zuziehenden sei zwischen 20 und 37 Jahre alt und bringe oftmals Familie mit beziehungsweise möchte in naher Zukunft eine Familie gründen. Hier gehe es um die Frage, wo die eigenen Kinder aufwachsen oder in die Schule gehen sollen, so Wallenberger.

Neue Wohnformen gegen Wohnraummangel

Die Nachfrage nach Wohnraum im Waldviertel sei deutlich größer als das verfügbare Angebot, so Layr. Deshalb suche man laufend Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen oder vermieten möchten. Die 66 Mitgliedsgemeinden stünden Interessierten dabei unterstützend zur Seite.

Immer mehr Waldviertler Hausbesitzer teilten ihre großen Einfamilienhäuser in mehrere Wohneinheiten mit getrennten Eingängen. Sie blieben selbst im Haus wohnen und vermieteten die zusätzlichen Wohnungen. Dadurch schaffen sie dringend benötigten Wohnraum und erzielen gleichzeitig ein zusätzliches Einkommen. Im Zuge des Umbaus würden häufig auch Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Wohnkomfort verbessert.

Auch Einliegerwohnungen eröffneten neue Möglichkeiten. Sie eigneten sich nicht nur für mehrere Generationen einer Familie, sondern könnten auch jungen Menschen leistbaren Wohnraum bieten. Wallenberger:

„Die Zukunft vieler alter Häuser entscheidet sich nicht allein an der Bausubstanz, sondern auch an unserer Fähigkeit, Wohnen neu zu denken.“

Vormerkservice für Immobiliensuchende

Raiffeisen Immobilien bietet Immobiliensuchenden im Waldviertel ab sofort ein Vormerk-Service an. Wer sich vormerken lässt, erhält individuell abgestimmte Immobilienangebote 48 Stunden lang exklusiv – noch vor der Veröffentlichung auf raiffeisen-immobilien.at oder auf den großen Immobilienportalen. So erhöhten sich die Chancen deutlich, die Traumimmobilie als Erste zu entdecken, ohne selbst ständig den Markt beobachten zu müssen.

Quelle: OTS

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