Waldviertler Firma reduziert Herbizideinsatz um 95 Prozent

Das niederösterreichische Unternehmen Farm-ING aus Horn hat ein KI-gestütztes System entwickelt, das Pflanzenschutzmittel punktgenau ausbringt. Durch den Einsatz von Kameras und neuronalen Netzen kann der Herbizideinsatz um bis zu 95 Prozent verringert werden.
Farm-ING Smart Farm Equipment FlexCo aus Horn kombiniert Künstliche Intelligenz mit Präzisionstechnik für einen gezielteren Pflanzenschutz. Das System nutzt hochauflösende Kameras, die während der Fahrt den Pflanzenbestand erfassen. Neuronale Netze erkennen in Echtzeit, ob es sich um Kulturpflanzen oder Unkräuter handelt. Über 200 einzeln ansteuerbare Düsen bringen die Pflanzenschutzmittel dann ausschließlich dort aus, wo sie tatsächlich benötigt werden. Im Vergleich zur konventionellen Flächenspritzung lässt sich dadurch der Herbizideinsatz um bis zu 95 Prozent senken.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung konkrete Wirkung entfalten kann. Künstliche Intelligenz sei besonders wertvoll, wenn aus technologischen Möglichkeiten konkrete Lösungen für Menschen und Betriebe entstünden, so Mikl-Leitner. Das Unternehmen entwickle im Waldviertel Hightech, die die Landwirtschaft effizienter und ressourcenschonender mache und gleichzeitig international gefragt sei. Dies entspreche der Innovationskraft aus Niederösterreich, die mit der Wirtschaftsstrategie 2030+ weiter gestärkt werden solle.
System für größere Betriebe ausgelegt
Das System arbeitet mit einer Arbeitsbreite von bis zu zwölf Metern und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu acht Kilometern pro Stunde. Eine digitale Benutzeroberfläche ermöglicht die Überwachung in Echtzeit, GPS-basierte Dokumentation und detaillierte Auswertungen über den Unkrautdruck. Der geringere Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führt zu niedrigeren Betriebsmittelkosten und reduziert gleichzeitig die Belastung für Boden, Grundwasser und Biodiversität.
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker hebt hervor, dass die besten Innovationen ein konkretes Problem lösen und gleichzeitig wirtschaftlichen Mehrwert schaffen würden. Farm-ING verbinde landwirtschaftliches Know-how mit Künstlicher Intelligenz und Maschinenbau und entwickle daraus ein Produkt mit großem internationalem Potenzial. Dass Entwicklung und Montage in Niederösterreich stattfänden, sei besonders erfreulich und zeige, dass Digitalisierung gerade auch für kleinere und junge Betriebe enorme Chancen eröffne.
Sonderpreis beim NÖ Innovationspreis 2026
Beim NÖ Innovationspreis 2026 erhielt Farm-ING den Sonderpreis „Digitale Innovation“. Der Preis wird von den Technologie- und InnovationsPartnern von Land Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich vergeben und zeichnet besonders innovative Projekte niederösterreichischer Unternehmen aus.
Farm-ING wurde 2021 von Gregor Witzmann als Ingenieurbüro für Landtechnik gegründet. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Unternehmen zu einem Agrar-Hightech-Betrieb mit heute mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das interdisziplinäre Team am Standort Horn verbindet Kompetenzen aus Maschinenbau, Mechatronik, Künstlicher Intelligenz, Robotik und GIS mit praktischer Erfahrung aus der Landwirtschaft. Zum Portfolio zählen neben dem Spot Sprayer SprayING unter anderem KI-gestützte Hacktechnik, präzise Verschieberahmen sowie Engineering-Dienstleistungen für den Agrarsektor. Sämtliche eigenen Produkte werden direkt im Waldviertel entwickelt und assembliert.
Gregor Witzmann, Geschäftsführer und CEO von Farm-ING, betont, dass das Unternehmen selbst aus der Landwirtschaft komme und die Lösungen daher nicht am Reißbrett, sondern für ganz konkrete Herausforderungen auf den Betrieben entwickle. Das Ziel sei eine Landwirtschaft, in der Digitalisierung und Automatisierung den Landwirtinnen und Landwirten Arbeit abnehmen und gleichzeitig einen verantwortungsvolleren Einsatz von Ressourcen ermöglichen. Dass eine Technologie, die in Horn entwickelt und produziert werde, bereits international auf so großes Interesse stoße, bestätige das Unternehmen auf diesem Weg.
Quelle: OTS
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