Waldviertler Karpfenteichwirtschaft ist landwirtschaftliches Weltkulturerbe

Mona HopfingerMona Hopfinger
Fischer ziehen ein Netz im flachen Wasser eines Sees in Österreich, umgeben von Wald.
© Leo Kirchmaier

Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft im Waldviertel wurde von der UNO-Ernährungsorganisation FAO als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung ausgezeichnet. Es ist das erste System dieser Art in Niederösterreich.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung anerkannt. Das jahrhundertealte Bewirtschaftungssystem erhielt die Auszeichnung GIAHS (Globally Important Agricultural Heritage System) und gehört damit zu einer kleinen Gruppe weltweit bedeutender Kulturlandschaften.

Die Anerkennung ist das erste derartige System in Niederösterreich und das einzige Aquakultursystem Europas mit dieser höchsten Auszeichnung für landwirtschaftliche Systeme. Das System verbindet traditionelle Karpfenzucht mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft.

Nachhaltige Produktion und Naturschutz vereint

Die Besonderheit der Waldviertler Teichwirtschaft liegt in der Verbindung von nachhaltiger Lebensmittelproduktion und Naturschutz. Die Teiche dienen nicht ausschließlich der Fischproduktion, sondern prägen eine vielfältige Kulturlandschaft. Sie werden als Lebensräume und wichtige Bestandteile der regionalen Ökosysteme betrachtet und erfüllen neben der Fischproduktion wichtige ökologische Funktionen.

Das GIAHS-Konzept zielt nicht auf eine unveränderte Konservierung der Teichwirtschaft ab. Vielmehr sollen traditionelles Wissen, wirtschaftliche Nutzung, ökologische Funktionen und regionale Entwicklung miteinander verbunden und an zukünftige Herausforderungen angepasst werden.

Mehrjähriger Weg zur Anerkennung

DI DI Leo Kirchmaier, Geschäftsführer des NÖ Teichwirteverbandes und des Österreichischen Verbands für Fischereiwirtschaft und Aquakultur, hat den Weg zur Anerkennung intensiv begleitet. In einem Podcast mit Priv.-Doz. Dr. Andreas Steinwidder gibt er Einblicke in den mehrjährigen Anerkennungsprozess.

Die internationale Anerkennung rückt die Waldviertler Karpfenzucht und Teichwirtschaft stärker ins Rampenlicht. Zugleich zeigt sie, wie sich Agrarforschung, Innovation und Nachhaltigkeit mit regionaler landwirtschaftlicher Tradition verbinden lassen. Die Auszeichnung wirkt weit über die Fischproduktion hinaus: Sie betrifft auch Biodiversität, Kulturlandschaft, regionale Wertschöpfung und die Zukunft der Teichwirtschaft.

Quelle: https://raumberg-gumpenstein.at/forschung/infothek/agrar-science-wissen-kompakt/podcast-videos-aktuelles/waldviertler-karpfenteichwirtschaft-ist-landwirtschaftliches-weltkulturerbe-leo-kirchmaier-195.html

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