Wanderfalter profitieren von Klimawandel in Österreich

Trocken-warme Jahre führen dazu, dass immer mehr Wanderfalter in Österreich gesichtet werden. Das belegen Daten des Citizen Science-Projekts „Schmetterlinge Österreichs“, das am Freitag sein zehnjähriges Bestehen in Tulln feiert.
Seit 2016 haben mehr als 31.000 Laien-Forscher über 1,2 Millionen Schmetterlingssichtungen per App gemeldet. Die Daten zeigen deutlich: Wanderfalter, die früher nur selten in Österreich zu sehen waren, nehmen zu. Das erklärte Helmut Höttinger, wissenschaftlicher Leiter des Projekts, gegenüber der APA.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Arten wie dem Kardinal, dem Großen und Kleinen Wanderbläuling sowie dem Pelargonien-Bläuling. Letzterer konnte durch die App erstmals in Vorarlberg, Kärnten, Niederösterreich und Wien nachgewiesen werden, so der Schmetterlingsforscher.
Über 138.000 Meldungen allein im Vorjahr
Das von der Stiftung „Blühendes Österreich“ und der Umweltbewegung „Natur im Garten“ getragene Projekt gehört zu den reichweitenstärksten Citizen Science-Initiativen des Landes. Nutzer laden Fotos beobachteter Schmetterlinge hoch, eine KI-Beta-Version schlägt seit dem Vorjahr Artbestimmungen vor. Auch andere User können bei der Identifizierung helfen, Ergebnisse diskutieren und Fotos bewerten.
Die App konzentriert sich auf Tagfalter und enthält Steckbriefe von 157 der rund 215 in Österreich vorkommenden Tagfalterarten. Auf Wunsch der Nutzer wurden zudem 32 Nachtfalterarten von fast 4.000 heimischen aufgenommen. Basis für die Bestimmung sind Merkmale wie Farbe, Form, Flugzeit und Fundort.
Im Vorjahr gab es fast 29.000 Beobachter in ganz Österreich, die knapp 138.000 Meldungen eingaben. Das ermöglicht einen guten Überblick über das gesamte Bundesgebiet, betonte Höttinger.
Tagpfauenauge führt Statistik an
An der Spitze der Meldungen 2025 stand das Tagpfauenauge mit 6.415 Sichtungen, gefolgt vom Großen Ochsenauge (5.091) und dem Admiral (4.345). Insgesamt wurden bereits 181 verschiedene Tagfalterarten gemeldet – das entspricht 84 Prozent aller bisher in Österreich nachgewiesenen Arten.
Besonders bei häufigeren Arten liefert die App deutlich bessere Verbreitungsdaten. Aber auch Beobachtungen seltener oder hochgradig gefährdeter Arten sind wertvoll, etwa für die Erstellung von Roten Listen.
Frühere Flugzeiten und mehr Generationen
Die Daten zeigen auch Veränderungen durch den Klimawandel. Arten, die auf Moore oder montane Gebiete spezialisiert sind, gehen vor allem in Tieflagen zurück. Zudem haben sich die Flugzeiten verschoben: „Die Schmetterlinge fangen viel früher zu fliegen an, sind auch immer später im Jahr zu sehen und bringen mehr Generationen hervor“, erklärte Höttinger.
Das Weißbindige Wiesenvögelchen etwa hat normalerweise nur eine Generation pro Jahr. Durch die Erwärmung gibt es aber zunehmend im September und Oktober Sichtungen einer partiellen zweiten Generation. Diese Individuen überleben den Winter jedoch nicht und sind für die Art verloren.
Laut Höttinger schlummert noch viel Potenzial in den Beobachtungsdaten, von denen bisher nur ein kleiner Teil ausgewertet ist. So gebe es etwa viele Meldungen von verschiedenen Nachtfaltern, die noch nicht analysiert wurden.
Quelle: APA
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