Wandertourismus bringt 7,8 Milliarden Euro Wertschöpfung

Wandern entwickelt sich zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Laut Deutschem Wanderverband sorgen Wanderer für eine jährliche Wertschöpfung von rund 7,8 Milliarden Euro – vor allem der ländliche Raum profitiert davon.
Zwei von drei Deutschen ab 16 Jahren gehen regelmäßig wandern, wie Bernd Hartmann, Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes, erklärt. Die Wanderer geben dabei nicht nur Geld für Ausrüstung aus, sondern kurbeln auch die Umsätze in Gaststätten, Hotels und Pensionen an. Die jährliche Wertschöpfung in den Regionen beläuft sich auf etwa 7,8 Milliarden Euro.
Das Interesse am Wandern ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Seit den 1990er Jahren habe die Aktivität einen Imagewandel durchlaufen – von einer eher gemächlichen zu einer lifestyle-orientierten Freizeitbeschäftigung, sagt Heinz-Dieter Quack, Leiter des Forschungszentrums Wandern an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter.
Hunderte Euro für Schuhe und Ausrüstung
Die Arbeitsgruppe von Quack erstellt jährlich den Wandermonitor. Die Erhebung 2025 zeigt: Befragte gaben in den beiden Jahren zuvor durchschnittlich rund 445 Euro für Ausrüstung aus. Am häufigsten gekauft wurden Schuhe, Socken und Hosen, aber auch Rucksäcke, Flaschen, Apps und Karten. Besonders die 30- bis 49-Jährigen investieren viel in ihre Ausrüstung.
Pro Tag auf Tour geben Wanderer im Schnitt mehr als 60 Euro aus – für Gastronomie, Einkäufe oder öffentliche Verkehrsmittel. Wer mehrere Tage unterwegs ist, legt inklusive Übernachtung noch 100 Euro drauf.
Über 300.000 Kilometer Wanderwege
Deutschland verfügt über ein Wanderwegenetz von mehr als 300.000 Kilometern – das ist siebeneinhalb Mal so lang wie der Äquator. Die Wege werden von Ehrenamtlichen und Kommunen gepflegt, ihre Nutzung ist kostenlos. Rund 43 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, für die Nutzung zu zahlen, wie Quack herausfand. Ob das in der Praxis funktioniere, bezweifelt er jedoch. Projekte mit freiwilligen Beiträgen hätten nur geringen Ertrag gebracht.
Vielversprechender erscheinen hingegen zusätzliche Serviceleistungen entlang der Wanderwege, etwa Angebote für Transfer und Verpflegung sowie Einnahmen durch Parkplatzgebühren. Auch die Deutsche Zentrale für Tourismus vermarktet Deutschland international als „Wanderland“.
Vom Stadtwandern bis zum Extremmarsch
Die Vielfalt des Wanderns hat zugenommen. Während manche Ruhe in der Natur suchen oder pilgern, erkunden andere beim Urban Hiking Architektur und Parks in Städten. Wieder andere suchen sportliche Herausforderungen: Der Wandermarathon im Frankenwald lockt Hunderte Teilnehmer aus dem In- und Ausland und ist meist binnen weniger Stunden ausverkauft. Beim Fichtelbergmarsch in Sachsen laufen Extremwanderer von Chemnitz zum Fichtelberg – mehr als 60 Kilometer und 1.700 Höhenmeter an nur einem Tag.
Im Erzgebirge setzt der Tourismus verstärkt auf Wandern, um Hotels und Pensionen das ganze Jahr über auszulasten. In der als Unesco-Welterbe anerkannten Bergbauregion gibt es viele Wege beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze. Diese Woche ist die Region Gastgeber für das europäische Wanderfest Eurorando und den Deutschen Wandertag.
Hotels rüsten sich für anspruchsvolle Gäste
Natascha Heinrich betreibt ein familiengeführtes Hotel im Erzgebirge. Die 43-Jährige ließ die alte Baude am Fuße des Fichtelbergs abreißen und für mehrere Millionen Euro das „Basislager“ errichten. Seit Frühjahr 2025 empfängt sie mit 13 Zimmern und einem 10-Mann-Wanderlager vor allem sportlich aktive Gäste.
Damit sich Wanderer wohlfühlen, brauche man mehr als eine Unterkunft, erklärt sie. Das Angebot reicht vom Schuhtrockner über Insidertipps für Touren bis hin zu einem Wellnessbereich mit Saunen und Infrarotkabinen. „Wer weit wandert, will auch gut essen“, sagt die Hotelchefin. „Und wer mehrere Tage unterwegs ist, freut sich, wenn er mal seine Wäsche waschen und trocknen kann.“
Heinrich hofft darauf, dass Gäste, die einmal da waren, wiederkommen und Familie oder Freunde mitbringen. Wandern lasse sich auch mit anderen Anlässen verbinden – mit Tagungen von Firmen etwa oder Kursangeboten wie Yoga.
Quelle: dpa
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