Warsh-Rede in Jackson Hole bewegt die Märkte

Pia ProdingerPia Prodinger
Frau mit Laptop und Unterlagen am Tisch, Nahaufnahme
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Am Freitag hält der neue Fed-Chef Kevin Warsh seine erste Rede beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole. Die Erwartungen an seine geldpolitischen Signale sind hoch, während die Staatsverschuldung in den USA erstmals die 40-Billionen-Dollar-Marke überschritten hat.

Die Federal Reserve Bank of Kansas City richtet seit 1982 jeweils im August ihr wirtschaftspolitisches Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming aus. Dort tauschen sich führende Notenbanker, Ökonomen und Finanzexperten über globale wirtschaftliche Herausforderungen aus. Die Äußerungen der Fed-Vorsitzenden sorgen regelmäßig für deutliche Reaktionen an den Aktien-, Anleihe- und Devisenmärkten.

In diesem Jahr tritt Kevin Warsh am Freitag, 28. August, erstmals als neuer Vorsitzender der US-Notenbank in Jackson Hole auf. Warsh gilt als geldpolitischer Falke und steht damit für eine eher straffe Zinspolitik. Bei der Juli-Sitzung beließ er den Leitzinskorridor jedoch bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei der zwölf Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) sprachen sich stattdessen für eine Zinserhöhung aus.

Markt rechnet im September nicht mit Zinsschritt

Die Erwartungen der Märkte haben sich zuletzt deutlich verändert. Laut dem CME-FedWatch-Tool ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von mehr als 60 Prozent auf 30,6 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit Mitte Juni. Für den Dezember rechnen die meisten Marktteilnehmer weiterhin mit höheren Zinsen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt derzeit bei 5,31 Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit 2007.

US-Staatsverschuldung überschreitet 40 Billionen Dollar

Die Staatsverschuldung der USA ist am Dienstag erstmals auf mehr als 40 Billionen US-Dollar gestiegen. Da ein erheblicher Teil der Schulden kurzfristig refinanziert werden muss, wirken sich Zinserhöhungen rasch auf die Finanzierungskosten des Bundes aus. Der US-Ökonom Ed Yardeni prägte für diese Entwicklung bereits vor Jahrzehnten den Begriff der „Bond Vigilantes“. Gemeint sind Investoren am Anleihemarkt, die bei ausufernden Staatsausgaben höhere Renditen verlangen und dadurch politischen Druck ausüben.

Deutschland kämpft mit steigenden Zinskosten

Auch in Deutschland machen sich die höheren Zinsen bemerkbar. Die Zinszahlungen des Bundes steigen von rund 30,3 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 41,9 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Bis 2030 sollen sie laut Finanzplanung auf 80,7 Milliarden Euro anwachsen.

Zum Vergleich: Für Forschung, Technologie und Raumfahrt sind 2027 rund 22 Milliarden Euro vorgesehen, für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend etwa 15,5 Milliarden Euro. Zusammen ergibt das rund 37 Milliarden Euro und damit deutlich weniger als die veranschlagten Zinsausgaben.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt aktuell bei 3,27 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Auch in Österreich sind die Finanzierungskosten gestiegen. Zehnjährige Staatsanleihen rentieren derzeit mit 3,47 Prozent.

Neue Kräfteverhältnisse am europäischen Anleihemarkt

Am europäischen Anleihemarkt zeigt sich ein deutlicher Wandel. So kann sich Dänemark mit 3,06 Prozent inzwischen günstiger refinanzieren als Deutschland. Frankreich zahlt mit 4,11 Prozent höhere Zinsen als Italien mit 4,07 Prozent und sogar mehr als Griechenland, dessen zehnjährige Anleihen aktuell bei 3,95 Prozent liegen.

Zwar bleiben Ratings ein wichtiger Maßstab für die Bonitätsbewertung, zunehmend ausschlaggebend sind jedoch weitere Faktoren. Dazu zählen die Haushaltsdisziplin, die wirtschaftliche Entwicklung, die Geschwindigkeit der Refinanzierung sowie das Volumen neuer Schuldenaufnahmen. Deutschland muss im Jahr 2026 über Anleiheauktionen die Rekordsumme von 512 Milliarden Euro aufnehmen. Im Vorjahr waren es noch 380 Milliarden Euro. Die Finanzierung erfolgt dabei zu deutlich höheren Zinsen.

Nvidia treibt Ausbau von KI-Rechenzentren voran

Auch Technologiewerte und KI-Unternehmen standen im August unter Druck. Der Chipkonzern Nvidia mobilisiert gemeinsam mit sechs großen Finanzinstituten mehr als 500 Milliarden US-Dollar für den Ausbau neuer KI-Rechenzentren. Unternehmenschef Jensen Huang erklärte, Nvidia könne bei einzelnen Projekten bis zu 25 Prozent der Finanzierung selbst absichern.

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich inzwischen auf rund 5,3 Billionen US-Dollar und liegt damit deutlich über jener von Apple und Microsoft.

Rund 54 Prozent des jüngsten Quartalsumsatzes erwirtschaftete Nvidia mit lediglich drei Direktkunden. Zudem beteiligt sich das Unternehmen an Cloud-Anbietern und KI-Laboren wie Coreweave, Nebius und Safe Superintelligence, die im Gegenzug Nvidia-Hardware beziehen. Nach Berichten von Bloomberg beläuft sich das Volumen dieser sogenannten Kreislaufgeschäfte inzwischen auf mehr als 750 Milliarden US-Dollar.

Darüber hinaus gibt es Berichte, wonach Nvidia eine Bürgschaft von bis zu 250 Milliarden US-Dollar für ein Rechenzentrumsprojekt von OpenAI übernehmen könnte. Ein Teil des Nachfragewachstums stammt damit aus dem direkten Unternehmensumfeld und nicht ausschließlich von unabhängigen Kunden. In der kommenden Woche legt Nvidia seine aktuellen Geschäftszahlen vor.

Verbesserungen: Der Text wurde sprachlich gestrafft, Wiederholungen reduziert und die Übergänge zwischen den Themenblöcken flüssiger gestaltet. Zahlen, Aussagen und inhaltliche Zusammenhänge wurden unverändert beibehalten.

Quelle: https://www.fh-joanneum.at/news/woechentlicher-boersenbrief-157

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