Weinernte in Österreich so schwach wie seit 15 Jahren nicht

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Trockenheit des Sommers macht den heimischen Winzern zu schaffen. Sie erwarten mit 1,7 Millionen Hektoliter um 28 Prozent weniger Wein als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Zuletzt fiel die Ernte 2010 so gering aus.

Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager sprach am Donnerstag in Wien von deutlichen Spuren der extremen Trockenheit. Die Beeren seien vielfach sehr klein ausgefallen. Im Vergleich zum Vorjahr, als noch rund 2,6 Millionen Hektoliter geerntet wurden, bedeutet das einen massiven Einbruch. Damals war die Ernte nahezu rekordverdächtig.

Ein Hektoliter entspricht 100 Litern oder 133 Standardflaschen Wein. Wegen der Hitze habe die Weinernte außergewöhnlich früh begonnen, erklärte Schmuckenschlager bei einer Pressekonferenz. Die Weinbauern stecken bereits mitten in der Lese. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien startete die Hauptlese Anfang September.

Weinviertel besonders stark betroffen

Der Osten Österreichs litt im Sommer besonders unter extremer Trockenheit und Hitze. Im Weinviertel rechnen die Winzer mit einem Mengenrückgang von bis zu 40 Prozent.

Kleine Beeren bedeuteten zwar weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen, so Schmuckenschlager. Man erwarte besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine.

Reserven aus 2025 federn Einbruch ab

Die geringe Ernte setzt die Winzer finanziell unter Druck. Ein Weinmarktproblem gebe es aber nicht, weil man auf Mengenreserven aus dem guten Weinjahr 2025 zurückgreifen könne, betonte der Weinbaupräsident. Der Weißwein sei sehr stabil im Preis, beim Rotwein kämpfe die Branche wegen eines europäischen Überschusses.

Der heimische Weinbauverband will wie Frankreich und Deutschland auf finanzielle Fördermittel der EU-Agrarkrisenreserve zurückgreifen. 7 bis 10 Millionen Liter überschüssiger heimischer Rotwein sollen zu Industriealkohol verarbeitet werden. Derzeit laufen dazu Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium.

In Österreich besteht die Weinernte normalerweise zu zwei Dritteln aus Weißwein und einem Drittel aus Rotwein. Der Weinbauverband erwartet aufgrund der schwierigen Marktlage beim Rotwein einen weiteren Trend zum Weißwein-Anbau.

Branche kämpft mit verändertem Konsumverhalten

Ein verändertes Konsumverhalten, ein rückläufiger Weinkonsum und hoher Preisdruck wirken sich laut Weinbauverband auf die gesamte Branche aus. Die geringe Ernte stabilisiere den Markt, für die Betriebe sei die Situation aber herausfordernd, so Schmuckenschlager. Man rechne damit, dass manche Nebenerwerbsweinbauern, die etwa Rotweintrauben für andere Winzer anbauen, aufhören werden. Der Weinbaupräsident begrüßte die Dürrehilfen der Regierung für die heimischen Bauern.

Die Österreich Wein Marketing (ÖWM) bewirbt hierzulande derzeit mit einer eigenen Kampagne heimischen Qualitätswein. Außerdem wolle man verstärkt jüngere Generationen für Weine begeistern, sagte ÖWM-Chef Chris Yorke am Rande der Pressekonferenz. Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen – vor allem bei Frauen – geht in Österreich seit Jahren zurück.

Josef Glatt, Referatsleiter für Weinwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Österreich, kritisierte, dass von der Anti-Alkohol-Lobby jeder Schluck Alkohol als gefährlich dargestellt werde. Man plädiere für einen moderaten gesellschaftlichen Konsum. Alkoholfreier Wein sei ein wachsendes Segment, aber mit begrenztem Potenzial, so der Weinbaupräsident. In Hadersdorf am Kamp (Bezirk Krems) gibt es seit Mitte des Jahres Österreichs erste Entalkoholisierungsanlage für Wein, die von der familiengeführten Weinkellerei Toifl errichtet wurde.

Weinrecht soll reformiert werden

Der Rechnungshof sah zuletzt dringenden Reformbedarf beim Weinrecht, etwa bei der Kontrollstruktur zur Qualitätssicherung oder bei den Weinkomitees. Beim geplanten Weingesetz würden die Kritikpunkte des Rechnungshofes berücksichtigt, damit man State of the Art und EU-konform unterwegs sei, erklärte Schmuckenschlager.

Hilfe für die Winzer winkt auch durch eine Überarbeitung der Anwendungsverordnung für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU. Unter anderem soll dadurch ein besserer Schutz gegen die Amerikanische Rebzikade ermöglicht werden, die im Weinbau wuchert. Betroffene Weingärten, die jünger als zehn Jahre sind, können künftig gerodet werden, ohne eine behördliche Anordnung abwarten zu müssen. Anschließend kann sie mit Unterstützung der Umstellungsbeihilfe wieder ausgepflanzt werden. Das soll dazu führen, dass befallene Bestände rasch entfernt werden, so das Agrarministerium am Mittwoch.

Quelle: APA

Worüber spricht Krems-Land morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.