Weinlese 2026 startet in Österreich deutlich früher

Mathias FischerMathias Fischer
Winzer bei der Weinlese in der Wachau, Österreich
© Pamela Schmatz

Trockenheit und Hitze setzen den heimischen Weinbaubetrieben zu. In manchen Regionen hat die Ernte bereits Mitte August begonnen. Winzer und Experten vom IMC Krems berichten von drastischen Bedingungen und suchen nach neuen Lösungen.

Die Folgen des Klimawandels machen sich in der österreichischen Weinwirtschaft heuer besonders bemerkbar. Wegen Trockenheit und hoher Temperaturen hat die Ernte in einigen Weinbaugebieten bereits Mitte August begonnen – deutlich früher als in vielen anderen Jahren. Die Branche steht vor großen Herausforderungen, wie Studierende, Absolventen und Lehrende des Studiengangs International Wine Business am IMC Krems berichten.

Simon Gattinger, Winzer aus Unterloiben und IMC-Absolvent, schildert die Lage in der Wachau: Die Wasserversorgung der Reben sei vielerorts angespannt. Nun gehe es darum, den optimalen Lesezeitpunkt zu finden, um Frische, Säurestruktur und Herkunftstypizität der Wachauer Weine zu bewahren.

Carnuntum und Wachau besonders betroffen

Anna van der Niepoort vom Weingut Dorli Muhr in Carnuntum – einem Weinbaugebiet, das selbst in durchschnittlichen Jahren zu den trockensten Österreichs zählt – berichtet von besonders deutlich spürbaren Bedingungen. Am Spitzerberg sei man karge und trockene Verhältnisse gewohnt, doch heuer seien sie außergewöhnlich. Die voraussichtlich sehr frühe Lese bringe zudem organisatorische Probleme mit sich, weil viele Lesehelfer zu diesem Zeitpunkt noch im Urlaub seien.

Der Bachelor-Studiengang International Wine Business am IMC Krems beschäftigt sich unter anderem mit nachhaltigem Weinbau, Klimawandel und Zukunftsszenarien der Weinwirtschaft. Studiengangsleiter Albert Stöckl erklärt, dass Theorie mit praktischem Unterricht im Weingarten verschränkt werde. Die Studierenden lernen etwa über physiologische Ursachen und sichtbare Symptome von Trockenstress sowie dessen Auswirkungen auf die Beerenentwicklung und das vegetative Rebwachstum.

Kleinere Ernte und neue Methoden

Schon jetzt ist klar: Die Lese startet 2026 in Österreich deutlich früher als in durchschnittlichen Jahren – und sie wird wahrscheinlich kleiner ausfallen als 2025. Die Beeren sind durch die Hitze vielerorts kleiner und dickschaliger. Durch gezielte Ertragsreduktion, um die Rebstöcke besser durch die Trockenperioden zu bringen, wurde die Menge nochmals reduziert.

Chris Sciacca von Kapitel Zwei Wine in Krems geht auch neue Wege: In Krems fehlen rund 63 Millimeter Niederschlag im Vergleich zu durchschnittlichen Jahren. Um die Reben bestmöglich zu unterstützen, setze er neben Ertragsreduktion und Begrünung zum Beispiel auf Schafwolle zur Wasserspeicherung in den Weingärten. Sie funktioniere wie ein Schwamm und könne das gespeicherte Wasser langsam wieder abgeben. Wenn der Boden trocken sei und es dann regne, könne er das Wasser nämlich gar nicht schnell genug aufnehmen – es erreiche die Wurzeln der Rebstöcke nicht.

Steigende Alkoholgehalte im Fokus

Wie österreichische Betriebe mit steigenden Alkoholwerten umgehen, damit beschäftigen sich im Studiengang sechs verschiedene Bachelorarbeiten. Höhere Temperaturen, mehr Sonnenstunden und häufigere Hitzeperioden beschleunigen nämlich die Zuckerbildung und den Säureabbau in den Trauben, während die optimale Aroma- und physiologische Reife nicht immer im gleichen Tempo erreicht wird.

Diese zunehmende Diskrepanz stellt Winzer bei der Wahl des optimalen Lesezeitpunkts vor Herausforderungen und zeigt sich unter anderem in immer früheren Ernteterminen. Auch das Thema Unterstockmanagement im Weinbau wird am IMC Krems untersucht, insbesondere mit der Unterstockbegrünung als Anpassungsmaßnahme an Dürre, Erosion und Spätfrost.

Kamptal und Weinviertel kämpfen mit Trockenheit

Marie Hirsch vom Weingut Hirsch berichtet, dass die Weingärten im Kamptal mit der Trockenheit kämpfen. Vor allem die älteren seien aber immer noch erstaunlich vital und grün. Bei den jungen Weingärten wurden die Trauben teilweise entfernt, um den Stock zu schützen. Man arbeite generell mit kürzeren Laubwänden und in den Frostweingärten von 2024 mache man einen späteren Schnitt, was eine spätere Lese ermögliche.

Die Lage im östlichen Weinviertel ist ähnlich herausfordernd. Benita Lobner vom Weingut Lobner in Mannersdorf sagt, sie habe so einen Jahrgang wie 2026 noch nie erlebt. Der erste heiße Jahrgang, bei dem sie aktiv dabei war, sei 2018 gewesen. Da habe es dann aber kurz vor der Ernte noch zu regnen begonnen, darauf hoffe man auch jetzt. Eine Kombination aus Erfahrung und neuen Ideen sei nun Gold wert. Es gehe viel um die richtigen Zeitpunkte und um Gespür. Bei jungen Anlagen habe man den Ertrag drastisch reduziert, untergesetzte Jungpflänzchen wurden von Hand gegossen.

Kritische Sicht auf Bewässerung

Andreas Schachenhuber vom Weingut WeinSchach, der nebenberuflich am IMC Krems unterrichtet, sieht das Thema Bewässerung kritisch. Wenn der Regen ausbleibe, könnten auch Winzer nur begrenzt reagieren. Entscheidend werde deshalb, Wasser künftig über das gesamte Jahr besser in der Landschaft zu halten, statt es möglichst schnell abzuleiten. Dauerhafte Bewässerung mit Grundwasser sehe er kritisch – Reben könnten mit Trockenheit gut umgehen. Man müsse lernen, mit Wasser anders umzugehen: im Weingarten, in den Städten und als Gesellschaft.

Internationale Perspektive aus Nordmazedonien

Eine internationale Perspektive liefert Bojan Ristov vom Weingut Lazar in Nordmazedonien, ebenfalls IMC-Alumnus. Heiße Sommer sind hier seit Jahren Realität – im Juni und Juli 2026 blieben die Temperaturen aber überraschend moderat, anders als in vielen Teilen Mittel- und Westeuropas. In Nordmazedonien setzte die Hitze erst im August ein. Obwohl es inzwischen sehr warm geworden sei, erwarte man vom Jahrgang 2026 außergewöhnliche, möglicherweise sogar herausragende Weine. Denn ein warmer Jahrgang müsse nicht automatisch ein schlechter sein. Entscheidend sei vielmehr, wie die Reben auf die Bedingungen reagieren und wie präzise man die Lese und die anschließende Weinbereitung steuere.

Ein früherer Lesezeitpunkt ist auch in Tikveš, einem der bedeutendsten Weinbaugebiete Nordmazedoniens, zu einem wichtigen Instrument geworden, um Frische und Säure zu bewahren. Dieser Ansatz sei im Hinblick auf die sich verändernden Marktpräferenzen besonders relevant. Konsumenten interessierten sich zunehmend für frische, elegante und ausgewogene Weißweine.

Quelle: https://www.imc.ac.at/ueber-uns/medien-presse/news/detail/ein-jahrgang-unter-druck

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