Weinlese startet wegen Hitze so früh wie selten zuvor

Hohe Temperaturen und Trockenheit haben die Weinlese in Österreich heuer deutlich vorverlegt. Die Ernte fällt mit rund 1,7 Millionen Hektolitern um mehr als 30 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Qualitativ versprechen die kleinbeerigen Trauben jedoch einen aromatischen Jahrgang.
Österreichs Weinbaubetriebe blicken auf ein außergewöhnliches Weinjahr 2026. Beim traditionellen Weinernte-Pressegespräch in Wien bezeichnete Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager die aktuelle Saison als geprägt von früher Reife, kleinen Beeren und einer deutlich geringeren Erntemenge. Gleichzeitig komme ausgesprochen gesundes und reifes Traubenmaterial in die Keller. „Wir erwarten einen ausdrucksstarken, aromatischen Weinjahrgang“, sagte Schmuckenschlager.
Ernte deutlich unter Vorjahresniveau
Die heimischen Weinbaubetriebe rechnen heuer mit einer Erntemenge von rund 1,7 Millionen Hektolitern. Damit liegt die Produktion um mehr als 30 Prozent unter jener des Vorjahres und auch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Als Hauptursache nennt der Weinbaupräsident die anhaltende Trockenheit. Die Beeren seien vielfach kleiner ausgefallen, wodurch auch die Mostausbeute spürbar geringer sei.
Gute Qualitätsaussichten trotz geringer Mengen
Ungeachtet der niedrigen Erträge werden die Aussichten für die Weinqualität positiv eingeschätzt. Der geringe Krankheitsdruck habe dazu geführt, dass überwiegend gesundes Traubenmaterial geerntet werden könne.
Besonders wichtig sei heuer der richtige Zeitpunkt für die Lese. Aufgrund der weit fortgeschrittenen Reifeentwicklung müsse früh geerntet werden, um ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Säure zu bewahren.
Die kleinen Beerendurchmesser gelten dabei als prägendes Merkmal des Jahrgangs. Weniger Saft gehe mit einer hohen Konzentration wertgebender Inhaltsstoffe einher, weshalb besonders aromatische und charakterstarke Weine erwartet werden. Vor allem bei Rotweinen sieht Schmuckenschlager großes Potenzial. Die kleinbeerigen und intensiv gefärbten Trauben lassen dichte und vollreife Weine erwarten.
Hitze und Trockenheit bestimmten die Saison
Nach Niederschlägen und Frostperioden im Winter folgte ab Ende April eine außergewöhnlich warme Wetterphase. Der Austrieb der Reben setzte bereits Mitte April ein. Trotz der frühen Entwicklung blieben größere Spätfrostschäden weitgehend aus.
Die warme Witterung beschleunigte das Wachstum der Reben, sodass die Blüte bereits Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni begann. Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich in vielen Regionen ein Niederschlagsdefizit ab.
Mitte Juni folgte die erste starke Hitzewelle, die die Vegetation zusätzlich beschleunigte. Abgesehen von einzelnen Gewittern blieben größere Niederschläge in den Weinbaugebieten aus. Vor allem im Osten Österreichs führten Hitze und Trockenheit zu schwierigen Bedingungen. Temperaturen von über 30 Grad waren im Sommer über lange Zeiträume hinweg die Regel.
Trockenheit brachte Reben an ihre Grenzen
Zwar gilt die Weinrebe aufgrund ihres tief reichenden Wurzelsystems als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber Trockenheit, doch die diesjährigen Bedingungen stellten viele Bestände vor große Herausforderungen.
Besonders betroffen waren junge Weingärten, deren Wurzeln noch nicht ausreichend entwickelt sind. Teilweise wurden dort Trauben entfernt, um die Rebstöcke zu entlasten. Wie stark die Schäden ausfielen, hing laut Experten vor allem von den Bodenverhältnissen, der Wasserspeicherfähigkeit und der Bewirtschaftung der Weingärten ab.
Hauptlese bereits angelaufen
Der frühe Austrieb, die zeitige Blüte und die hohen Sommertemperaturen haben die Reifeentwicklung deutlich beschleunigt. Entsprechend früh startete auch die Weinlese.
Im burgenländischen Seewinkel neigt sich die Ernte bereits dem Ende zu. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die Hauptlese begonnen.
Schwierige Marktlage bleibt Herausforderung
Neben den witterungsbedingten Einbußen sehen sich die Weinbaubetriebe weiterhin mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Ein verändertes Konsumverhalten, sinkender Weinkonsum und ein hoher Preisdruck belasten die Branche.
Umso wichtiger sei es, die Herkunft und Qualität österreichischer Weine stärker hervorzuheben. „Unsere Betriebe brauchen für ihre hochwertigen Weine auch entsprechende Absatzmöglichkeiten und Preise, die eine wirtschaftliche Produktion zulassen“, betonte Schmuckenschlager.
Rebkrankheit breitet sich weiter aus
Zusätzlich sorgen Schädlinge und Pflanzenkrankheiten für Herausforderungen im Weinbau. Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit der Amerikanischen Rebzikade, die die Goldgelbe Vergilbung überträgt.
Die Krankheit kann sich rasch ausbreiten und zum Absterben befallener Rebstöcke führen. Nachdem sie sich bereits in der Steiermark und im Burgenland verbreitet hatte, wurde sie heuer erstmals auch in Niederösterreich nachgewiesen. Die Weinbaubetriebe sind daher zunehmend gefordert, entsprechende Gegenmaßnahmen zu setzen.
Quelle: OTS
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