Weniger Fleisch würde Landwirtschaft radikal verändern

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Eine Umstellung auf pflanzliche Ernährung hätte massive Auswirkungen auf die globale Landwirtschaft. Laut einer neuen Studie im Fachjournal „Nature“ würde die Viehzucht um 42 Prozent schrumpfen, während der Anbau von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten um ein Viertel zunehmen müsste.

Eine internationale Forschungsgruppe mit österreichischer Beteiligung hat berechnet, wie sich die weltweite Landwirtschaft verändern würde, wenn die Ernährungsempfehlungen von Fachleuten umgesetzt werden. Die im Journal „Nature“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Es bräuchte insgesamt etwas weniger Anbaufläche, deutlich weniger Nutztiere und mehr Flächen für Obst, Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Empfehlungen setzen auf pflanzliche Kost

Die EAT-Lancet-Kommission, ein Expertengremium der EAT-Organisation und der Fachzeitschrift „The Lancet“, empfiehlt eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten. Die sogenannte „Planetary Health Diet“ sieht zudem etwa drei bis vier Eier pro Woche, moderate Mengen an Fisch und Geflügel sowie möglichst wenig Fleisch von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen vor.

Eine solche Ernährungsweise könnte viele durch fleisch- oder fettreiche Kost verursachte Krankheiten verhindern. Gleichzeitig würden die Ressourcen des Planeten geschont, da weniger landwirtschaftliche Produkte an Nutztiere verfüttert und stattdessen direkt konsumiert würden. Die derzeitige Nahrungsmittelproduktion ist laut dem Team um Matthew Gibson und Mario Herrero von der Cornell University für rund ein Drittel der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich.

Szenarien bis 2050 berechnet

Die Forschenden nutzten zehn gängige Modelle zur Simulation der Weltwirtschaft und berechneten zwei Szenarien: eines, in dem bis 2050 wie bisher weitergewirtschaftet wird, und eines, in dem sich die Landwirtschaft entsprechend der Kommissions-Empfehlungen entwickelt, die Produktivität steigt und rund die Hälfte weniger Lebensmittel weggeworfen werden.

An den Berechnungen zur „potenziellen großen Ernährungstransformation“ waren auch Amanda Palazzo, Marta Kozicka und Petr Havlik vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ) beteiligt. Die Ergebnisse zeigen beispiellose Veränderungen: Die Zahl der Wiederkäuer würde um rund 400 Millionen sinken, was einer Reduktion des Viehzucht-Sektors um etwa 42 Prozent gegenüber 2020 entspräche.

Mehr Wald, weniger Emissionen

Der Rückgang der benötigten Weideflächen würde voraussichtlich die Ausweitung von Waldflächen begünstigen, was deutlich mehr CO2 binden würde. Die klimaschädlichen Treibhausgase aus der Viehzucht könnten um bis zu 85 Prozent reduziert werden.

Insgesamt würde die weltweit zur Nahrungsmittelerzeugung genutzte Fläche gegenüber 2020 um rund sechs Prozent abnehmen. Der Rückgang bei der Fleischproduktion stünde eine Zunahme der Gemüse-, Obst-, Nüsse- und Hülsenfruchtproduktion um ungefähr ein Viertel gegenüber. Im Jahr 2050 würde unter der Transformationsannahme um etwa 17 Prozent weniger produziert als bei unveränderter Fortsetzung heutiger Praktiken.

Dem gegenüber stünden mehrere Millionen weniger vorzeitige Sterbefälle pro Jahr, Einsparungen in den Gesundheitssystemen und viel niedrigere Treibhausgasemissionen, so die Forschenden.

Politik und Verbraucher gefordert

Damit eine solche Entwicklung tatsächlich eintritt, brauche es ein umfassendes Umdenken in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik sowie bei den Verbrauchern. Aktuell seien die Lobbys der Fleisch-, Zucker- und Getreideproduzenten sehr stark, was an den vehement geführten Diskussionen über etwaige „Zuckersteuern“ oder Werbeverbote für besonders gesundheitsschädliche Lebensmittel sichtbar werde.

Auf Konsumentenseite gebe es ebenfalls Herausforderungen: Schätzungen zufolge würde die Ernährung entsprechend der EAT-Lancet-Empfehlungen in Ländern mit hohem Einkommen eher billiger, in Ländern mit niedrigeren Einkommen hingegen eher teurer. Damit sich wirklich etwas tue, bräuchte es einen „Bruch mit vielen historischen Trends“ und „mutige politische Entscheidungen“, halten die Studienautorinnen und -autoren fest.

Quelle: APA

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