Wetterumschwung am Berg: So reagieren Wanderer richtig

Plötzliche Gewitter, Nebel oder Sturm können Bergtouren gefährlich machen. Experten raten zu guter Vorbereitung und rechtzeitigem Umkehren. Die wichtigsten Verhaltensregeln für den Ernstfall.
Im Gebirge kann sich das Wetter innerhalb kürzester Zeit dramatisch ändern. Was bei strahlendem Sonnenschein beginnt, endet nicht selten in dunklen Wolken, Starkregen oder Gewittern. Gewitter, Sturm, Nebel und rasche Temperaturstürze verwandeln eine entspannte Wanderung schnell in eine ernste Gefahrensituation. Der wirksamste Schutz beginnt bereits vor dem Aufbruch.
Vorbereitung entscheidet über Sicherheit
Vor jeder Bergtour ist ein aktueller, regionaler Bergwetterbericht unverzichtbar. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob Niederschlag droht, sondern auch um den Zeitpunkt möglicher Gewitter, die Windstärke und die Höhe der Schneefallgrenze. Während der Tour sollte der Himmel regelmäßig beobachtet werden.
Eine durchdachte Tourenplanung umfasst mehrere Faktoren: einen frühen Start, besonders an Tagen mit Gewitterneigung, ausreichend Zeitpuffer für Pausen und den Rückweg sowie die Berücksichtigung von Kondition und Erfahrung aller Beteiligten. Auch mögliche Abkürzungen, Umkehrpunkte und Schutzhütten sollten bekannt sein. Für unsichere Wetterlagen empfiehlt sich eine Alternativroute. Eine Kontaktperson sollte über Route und geplante Rückkehrzeit informiert werden.
Zur Ausrüstung gehören auch bei schönem Wetter Regen- und Windschutz, warme Kleidung, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Stirnlampe, Orientierungsmittel und ein voll geladenes Mobiltelefon. Nässe, Wind und sinkende Temperaturen können selbst im Sommer rasch zu Unterkühlung führen.
Alarmsignale erkennen und handeln
Dunkle, schnell wachsende Wolken, auffrischender oder plötzlich drehender Wind, fernes Donnergrollen, deutlicher Temperaturabfall und aufziehender Nebel sind eindeutige Warnzeichen. Jetzt heißt es: Tourenziel anpassen, umkehren oder rechtzeitig einen sicheren Ort aufsuchen.
„Der Gipfel ist immer nur eine Option. Wer rechtzeitig umkehrt, beweist Verantwortungsbewusstsein und alpine Kompetenz“, betont Benjamin Hell, Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Kärnten. Gefährlich werde es häufig dann, wenn Warnzeichen ignoriert werden und man trotz veränderter Bedingungen unbedingt weitergehen möchte.
Verhalten bei plötzlichem Wetterumschwung
Wer von Starkregen, Sturm, Nebel oder Gewitter überrascht wird, sollte Ruhe bewahren und die Lage gemeinsam einschätzen. Die Gruppe bleibt zusammen, das Tempo richtet sich nach der schwächsten Person.
Bei schlechter Sicht ist unüberlegtes Weitergehen gefährlich. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte regelmäßig die Orientierung prüfen und den eigenen Standort kennen. Gefährliche Stellen wie Absturzkanten, steile Rinnen, Bachläufe und rutschige Querungen sollten gemieden werden. Bei Starkregen können Bäche schnell anschwellen; in Rinnen und an Felswänden drohen Sturzfluten und Steinschlag. Nasse Kleidung sollte so rasch wie möglich durch trockene oder wärmende Schichten ersetzt werden. Regenbekleidung und ein Biwaksack schützen vor Wind und Auskühlung. Wer stark zittert, ungeschickt wird, ungewöhnlich müde, verwirrt oder teilnahmslos ist, zeigt möglicherweise erste Zeichen einer Unterkühlung.
Gewitter: Exponierte Stellen sofort verlassen
Nähert sich ein Gewitter, müssen Gipfel, Grate, Kuppen, Gipfelkreuze und andere erhöhte Stellen sofort verlassen werden. Einzelne Bäume, Masten, Drahtseile und Wasserläufe sollten gemieden werden. Kleine Felsnischen oder Höhleneingänge bieten keinen sicheren Schutz. In einer großen Felshöhle sollte man Abstand zur Wand halten. Die richtige Schutzposition: mit geschlossenen Beinen kauernd auf dem Rucksack oder Seil warten und innerhalb der Gruppe Abstand zueinander halten. Auf Klettersteigen und in absturzgefährdetem Gelände ist die Sicherung jederzeit aufrechtzuerhalten. Auch wenn das Stahlseil am Klettersteig bei Gewitter kein sicherer Ort ist, darf die Sicherung in absturzgefährdetem Gelände nicht leichtfertig gelöst werden – das Absturzrisiko kann größer sein als die Blitzgefahr.
Notruf: Wann und wie
Einen Notruf absetzen sollte, wer Verletzte, Unterkühlte oder Erschöpfte in der Gruppe hat, die Orientierung verliert oder keinen sicheren Abstieg mehr findet. Die Bergrettung ist in Österreich unter 140, der europäische Notruf unter 112 erreichbar. Wichtige Angaben beim Notruf: Standort, Ereignis, Anzahl der Betroffenen, Verletzungen oder Unterkühlungszeichen sowie aktuelle Wetter- und Sichtverhältnisse. Wer rechtzeitig umkehrt, trifft keine falsche Entscheidung – gute Vorbereitung, laufende Beobachtung und besonnenes Handeln sind die Grundlage für jede sichere Bergtour.
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