Wien eröffnet 2027 erste Ambulanz für ME/CFS-Patienten

Mona HopfingerMona Hopfinger
€6.7 Millionen für Sommer 2027 in Wien, Darstellung von Gehirn, Muskel und Sauerstoffversorgung
© Mit KI (Gemini) generiert

Ab Mitte 2027 steht in Wien eine Spezialambulanz für postakute Infektionssyndrome zur Verfügung. Die Einrichtung im Diabeteszentrum Donaufeld richtet sich an Menschen mit ME/CFS und Long-Covid. Parallel dazu werden Forschungsprojekte mit Millionenförderungen gestartet.

Die Bundeshauptstadt bekommt eine eigene Anlaufstelle für Betroffene von postakuten Infektionssyndromen (PAIS). Das gab Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag bekannt. Die neue Ambulanz soll im Sommer 2027 in einer ersten Ausbaustufe ihren Betrieb aufnehmen. Bis Mitte 2028 ist der vollständige Ausbau geplant. Untergebracht wird das Zentrum im Diabeteszentrum Donaufeld in Floridsdorf.

Nach Salzburg und dem Burgenland ist Wien damit das dritte Bundesland mit einer solchen Spezialeinrichtung. Die Ambulanz richtet sich an Patientinnen und Patienten mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) sowie Long-Covid. Neben medizinischer Versorgung wird auch therapeutische Begleitung angeboten.

Investition in Millionenhöhe

Für die Errichtung der Einrichtung sind 6,7 Millionen Euro veranschlagt. Die laufenden Betriebskosten werden auf 3,8 Millionen Euro jährlich geschätzt. In der Ambulanz entstehen rund 20 Vollzeitstellen für Personal aus medizinischen, therapeutischen und psychosozialen Berufsgruppen.

Die Räumlichkeiten werden speziell auf die Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet sein. Geplant sind licht- und lärmreduzierte Bereiche mit Liegemöglichkeiten. Für mobilitätseingeschränkte Personen, die nicht persönlich erscheinen können, werden telemedizinische Angebote bereitgestellt.

Zugang nur mit ärztlicher Überweisung

Die Ambulanz richtet sich an Menschen mit mittelschweren bis schweren Krankheitsverläufen. Voraussetzung für einen Besuch ist eine bereits gestellte Diagnose sowie eine Überweisung vom Fach- oder Hausarzt. Das erklärte Michael Binder, medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbunds.

Millionenförderung für Forschungsprojekte

Parallel zur Ambulanz werden zwei große Forschungsprojekte zu ME/CFS finanziert. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) vergibt gemeinsam mit der privaten WE&ME-Stiftung der Unternehmerfamilie Ströck zwei Zuschüsse von jeweils einer Million Euro.

Ein Projekt untersucht, ob bei einem Teil der Erkrankten eine genetische Ursache vorliegt. Das zweite Projekt erforscht die Probleme bei der Sauerstoffversorgung in Gehirn und Muskulatur von ME/CFS-Patienten. Dabei soll geklärt werden, woher diese Störung kommt und ob eine Sauerstoffzufuhr den Effekt teilweise umkehren kann. Es handelt sich um die bisher größten Einzelförderungen für die ME/CFS-Forschung in Österreich.

Bis zu 80.000 Betroffene in Österreich

„Wir sprechen hier von einer schweren Krankheit, die lange übersehen und unterschätzt wurde“, betonte Bürgermeister Ludwig. Wien erkenne die Sorgen und Nöte der Betroffenen an und setze sowohl auf Forschung als auch auf Betreuung. In Österreich dürften bis zu 80.000 Menschen erkrankt sein. Rund 60 Prozent der Betroffenen seien arbeitsunfähig, ein Viertel müsse sogar das Bett hüten.

Michael Häupl, Präsident des WWTF und Vorgänger Ludwigs im Bürgermeister-Amt, erinnerte daran, dass die Krankheit vor der Corona-Pandemie nur auf wenig Interesse gestoßen sei. Seit 2024 hätten der Fonds und die Stiftung bereits rund 3,1 Millionen Euro in diesem Bereich investiert. Die nun ausgewählten Projekte habe eine Fachjury bestimmt. Mit eingebunden seien auch Wissenschafterinnen und Wissenschafter gewesen, die selbst von ME/CFS betroffen sind.

Quelle: APA

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