Wiener Forscher entwickeln neues Ultraschall-System für Arthritis

Mona HopfingerMona Hopfinger
Ultraschalluntersuchung des Knies durch eine Ärztin mit blauen Handschuhen in einem Behandlungsraum.
© 2024 NMK-Studio/Shutterstock

Ein internationales Team unter Leitung der MedUni Wien hat ein Ultraschall-basiertes Scoring-System zur Beurteilung von Gelenkschäden bei rheumatoider Arthritis entwickelt. Das neue Verfahren erfasst mehrere Aspekte der Schädigung in einem gemeinsamen Messwert.

Bei rheumatoider Arthritis können Gelenkschäden zu bleibenden Einschränkungen der körperlichen Funktion führen. Während bisher konventionelle Röntgenaufnahmen zur Beurteilung struktureller Schäden eingesetzt werden, hat ein Forschungsteam unter der Leitung von Peter Mandl von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien ein neues Ultraschall-basiertes Scoring-System entwickelt. Das „Global OMERACT Ultrasound Joint Damage Scoring System“ (GLODS) vereint die Beurteilung von Knochenerosionen, Knorpelschäden und Gelenkfehlstellungen in einem gemeinsamen Messwert.

Die in den „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlichte Studie zeigte eine gute bis ausgezeichnete Zuverlässigkeit des neuen Systems. Die Untersuchung wurde im Rahmen der OMERACT Ultrasound Working Group durchgeführt und vereinte 25 Ultraschall-Experten aus 13 Ländern. In einem mehrstufigen Verfahren aus internationaler Expertenkonsensfindung, webbasierten Übungen und Untersuchungen von Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickelten die Forschenden standardisierte Definitionen und Bewertungssysteme.

Drei Komponenten in einem Messwert

GLODS erfasst drei Komponenten struktureller Gelenkschäden: Knochenerosionen auf einer Skala von 0 bis 3, Knorpelveränderungen von 0 bis 2 und Gelenkfehlstellungen von 0 bis 2. Durch Addition der drei Komponenten ergibt sich für jedes Gelenk ein Gesamtscore zwischen 0 und 7. Die Definitionen und Bewertungssysteme wurden zunächst im Rahmen eines internationalen Delphi-Konsensverfahrens festgelegt und anschließend sowohl in webbasierten Übungen als auch direkt an Patienten getestet.

Die einzelnen Bestandteile erwiesen sich als gut bis ausgezeichnet zuverlässig. Bei der Untersuchung von Patienten erzielte der kombinierte GLODS eine ausgezeichnete Intraobserver-Reliabilität. Das heißt: Wenn dieselbe Person mehrmals beurteilte, kam sie immer wieder zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Zwischen verschiedenen Untersuchern war die Interobserver-Reliabilität gut. Die Ultraschallbefunde hingen außerdem deutlich mit den Messungen struktureller Schäden im herkömmlichen Röntgen zusammen.

Vorteile gegenüber konventionellem Röntgen

„Strukturelle Schäden bei rheumatoider Arthritis beschränken sich nicht auf ein einzelnes Merkmal. Knochenerosionen, Knorpelschäden und Veränderungen der Gelenkstellung bilden unterschiedliche Aspekte der durch die Erkrankung verursachten Schäden ab“, erklärt Peter Mandl, Erst- und korrespondierender Autor der Studie. „Unser Ziel war es daher, diese Komponenten in einem standardisierten Ultraschall-Score zusammenzuführen, der zuverlässig angewendet werden kann.“

Anders als beim herkömmlichen Röntgen zeigt der Ultraschall die Gelenke sehr genau und aus verschiedenen Blickwinkeln. Er kommt ohne ionisierende Strahlung aus. Man kann ihn außerdem in kurzen Abständen immer wieder anwenden. Bei rheumatoider Arthritis ist Ultraschall schon ein wichtiges Mittel, um Entzündungen zu erkennen und ihren Verlauf zu beobachten. Wie gut er sich eignet, um strukturelle Schäden zu beurteilen, ist dagegen bisher weniger einheitlich geregelt.

Weitere Validierung erforderlich

„Diese Ergebnisse schaffen eine wichtige methodische Grundlage dafür, strukturelle Gelenkschäden mittels Ultraschall standardisiert zu erfassen“, so Mandl. „Der nächste Schritt besteht darin zu untersuchen, wie gut GLODS Veränderungen der Gelenkschäden im Zeitverlauf abbildet, und den Score in unabhängigen Patientenkohorten und klinischen Studien weiter zu validieren.“

Der neue Score könnte die bekannten bildgebenden Verfahren in der Rheumaforschung in Zukunft ergänzen. Das gilt vor allem dann, wenn man strukturelle Gelenkschäden immer wieder beurteilen will. Die Autoren betonen aber, dass sich die Studie vor allem mit zwei Fragen befasste: Wie einheitlich und wie zuverlässig ist das neue Instrument? Weitere Studien müssen noch klären, wie empfindlich der Score auf Veränderungen reagiert und ob er über längere Zeit gültige Ergebnisse liefert. Außerdem muss man prüfen, ob er bei verschiedenen Gelenken und Patientengruppen funktioniert. Erst dann lässt sich beurteilen, ob er breiter in der Klinik eingesetzt werden kann.

Quelle: https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2026/news-im-oktober-2026/rheumatoide-arthritis-neues-ultraschall-scoring-system-ermoeglicht-umfassende-beurteilung-von-gelenkschaeden

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