Wiener Forscher für Proteomics-Arbeit ausgezeichnet

Mona HopfingerMona Hopfinger
Young Investigator Award-Gewinner mit zwei Kolleginnen bei einer Veranstaltung.
© APMRS

Juan Manuel Sacnun von der MedUni Wien erhält den Award für die beste Proteomics-Publikation des Jahres. Seine Forschung befasst sich mit zellulären Kommunikationsprozessen bei der Bauchfelldialyse.

Juan Manuel Sacnun, ehemaliger Doktorand an der Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien und aktuell Postdoktorand an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, wurde mit dem „Best Proteomics Publication of the Year“-Award der Austrian Proteomics and Metabolomics Association (APMA) ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte im Rahmen des Austrian Proteomic and Metabolomic Research Symposium (APMRS) an der Universität Graz. Seine Arbeit wurde zudem als Cover Story im Fachjournal Science Signaling veröffentlicht.

Untersuchung der Zellkommunikation bei Nierenersatztherapie

Die prämierte Publikation mit dem Titel „Deep secretome analysis reveals the effects of LiCl on fibroangiogenic remodeling in coculture and mouse models of peritoneal dialysis“ erschien heuer in Science Signaling. Die Studie entstand während Sacnuns Doktorarbeit an der MedUni Wien in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie Dialyselösungen, die bei der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) als Nierenersatztherapie zum Einsatz kommen, die Kommunikation zwischen verschiedenen Zelltypen des Bauchfells beeinflussen. Die Forschenden entwickelten ein Deep-Secretome-Profiling-Verfahren, um die Wechselwirkungen zwischen humanen mesothelialen Zellen und primären lymphatischen Endothelzellen zu analysieren.

Durch die Untersuchung von mehr als 1.900 Proteinen im Secretome konnten Signalwege identifiziert werden, die in herkömmlichen Zellkulturmodellen nicht sichtbar waren. Die Daten wurden mit Proteomdaten aus Dialysat und Plasma von Patientinnen und Patienten mit Peritonealdialyse kombiniert. Dadurch ließen sich zelltypspezifische Signalnetzwerke charakterisieren und mit klinischen Parametern wie Ultrafiltrationsleistung, Transportkinetik und Entzündungsprozessen verknüpfen.

Lithiumchlorid schwächt Signalprozesse

Weitere Experimente zeigten, dass die Zugabe von Lithiumchlorid (LiCl) bestimmte durch die Dialyselösung ausgelöste fibroangiogene Signalprozesse teilweise abschwächen kann. Die Studienergebnisse geben neue Einblicke in jene molekularen Mechanismen, die bei langfristiger Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) zu Fibrose (Vernarbung) und Gefäßveränderungen des Peritoneums (Bauchfells) beitragen. Zugleich legen sie den Grundstein für die Entwicklung neuer Therapieansätze.

Forschung im Christian Doppler Labor

Die Arbeiten entstanden vor allem durch Sacnuns Forschung. Sie fand im internationalen EU-Projekt IMPROVE-PD statt und im Christian Doppler Labor für Molecular Stress Research in Peritoneal Dialysis (CDL-MSRPD), das Klaus Kratochwill leitete. Das Labor erforschte, welche molekularen Vorgänge bei der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) zu Komplikationen führen. Dafür nutzte es unter anderem moderne Methoden der Proteomics (Untersuchung von Proteinen), der Metabolomics (Untersuchung von Stoffwechselprodukten) und weitere Omics-Verfahren.
Seit heuer gibt es das Christian Doppler Labor für Metaflammation in der Peritonealdialyse (CDL-PRIME-PD). Rebecca Herzog leitet es und ist Co-Letztautorin der ausgezeichneten Publikation. Das Labor geht neuen Fragen zu den örtlichen und körperweiten Folgen der Peritonealdialyse nach. Es beschäftigt sich vor allem mit chronischen Entzündungen und der sogenannten Metaflammation.

Vom Biotechnologiestudium zur Rheumatologie

Juan Manuel Sacnun hat an der Universität Rosario in Argentinien Biotechnologie studiert. Danach machte er seine PhD-Ausbildung an der MedUni Wien im Dissertationsprogramm POET (Programm für Organersatz und Transplantation). Sie war Teil des internationalen Marie-Skłodowska-Curie-Projekts IMPROVE-PD. Er arbeitete an der Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde sowie im Christian Doppler Labor. Betreut wurde er von Klaus Kratochwill und Rebecca Herzog.
Heute forscht Sacnun an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Rheumatologie. Als Postdoktorand gehört er zur Forschungsgruppe von Michael Bonelli. Er untersucht, wie Immunzellen und Zellen im Gewebe bei Autoimmunerkrankungen miteinander kommunizieren. Dafür nutzt er systembiologische Multi-Omics-Methoden, vor allem Proteomics (Untersuchung von Proteinen). Damit beschreibt er die Signalnetzwerke zwischen verschiedenen Zellgruppen und klärt auf, wie die Zellkommunikation funktioniert.

Quelle: https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2026/news-im-oktober-2026/auszeichnung-fuer-proteomics-forschung-an-der-meduni-wien

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