Wiener Herzchirurgen entwickeln neue Operationstechnik

Mona HopfingerMona Hopfinger
Herzoperation: Aortenwurzel-Erweiterung mit neuer Technik, chirurgische Instrumente
© Mit KI (Gemini) generiert

An der Universitätsklinik für Herz- und Thorakale Aortenchirurgie von MedUni Wien und AKH Wien wurde eine neue Methode entwickelt, die ein zentrales Problem beim Aortenklappenersatz löst. Die Technik ermöglicht den Einsatz größerer Klappenprothesen.

Eine kleine Aortenwurzel kann beim Ersatz der Aortenklappe die Größe der verwendbaren Klappenprothese einschränken. Fällt die neue Klappe im Verhältnis zum Körper zu klein aus, muss das Herz weiterhin gegen erhöhten Widerstand arbeiten – ein sogenanntes Patient-Prothesen-Mismatch, das mit ungünstigeren klinischen Ergebnissen einhergeht. Wiener Herzchirurgen haben nun eine Operationstechnik entwickelt, mit der sich die Aortenwurzel vergleichsweise einfach und auch minimalinvasiv erweitern lässt.

Durch die neue Methode können deutlich größere Klappenprothesen eingesetzt, der Blutfluss verbessert und zugleich bessere Voraussetzungen für zukünftige Behandlungsoptionen geschaffen werden. Die Technik und erste klinische Erfahrungen wurden im herzchirurgischen Fachjournal JTCVS Techniques veröffentlicht.

Nahtring begrenzt effektiven Blutfluss

Der Ersatz einer kranken Aortenklappe gilt als eine der großen Erfolgsgeschichten der Herzchirurgie. Ein Problem gibt es aber seit Anfang an: Die Klappenprothese wird mit einem Nahtring befestigt. Dieser Ring kann den Blutfluss aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader einschränken. Das trifft vor allem Patientinnen und Patienten mit einer kleinen Aortenwurzel (dem Anfangsteil der Hauptschlagader). Heute ist diese Frage noch wichtiger. Bei der Wahl der ersten Klappe zählt nicht mehr nur die aktuelle Operation, sondern die Behandlung über das ganze Leben. Das nennt man „Lifetime Management”. Schon bei der ersten Operation sollte man daher bedenken, welche späteren Eingriffe möglich bleiben. Ein Beispiel ist eine Klappe, die per Katheter in die bestehende Prothese eingesetzt wird (kathetergestützte Aortenklappenimplantation). Die Aortenklappe ist das Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader. Wenn sie ersetzt werden muss, näht man die Prothese mit einem Nahtring in den sogenannten Aortenring ein. Der Nahtring braucht Platz. Deshalb ist die Öffnung der Prothese bei den üblichen Klappen oft kleiner als die natürliche Öffnung der Klappe. Ist der Aortenring von Natur aus klein, passt nur eine kleine Prothese hinein.

Alfred-Kocher-Technik ermöglicht minimalinvasiven Eingriff

Alfred Kocher, Leiter des Herzklappenteams an der Universitätsklinik für Herz- und Thorakale Aortenchirurgie von MedUni Wien und AKH Wien, beschrieb im Juni 2025 erstmals die nach ihm benannte „Alfred-Kocher-Technik“ zur Erweiterung der Aortenwurzel. Seither wird die Methode am AKH Wien und an der MedUni Wien erfolgreich eingesetzt und mittlerweile auch an Zentren in Europa und den USA angewendet.

Die Operation startet wie ein normaler Aortenklappenersatz. Zuerst wird der Aortenring vermessen. Danach entscheidet das Team, ob die Aortenwurzel erweitert werden muss. Dafür schneiden die Ärztinnen und Ärzte die Aortenwurzel T-förmig ein und bauen sie mit einem eigens geformten Patch (einem Flicken) wieder auf. Die Herzkranzgefäße werden dabei nicht angerührt. Die natürliche Form der Aortenwurzel bleibt weitgehend erhalten. So lassen sich Klappenprothesen einsetzen, die mindestens zwei Größen größer sind. Alfred Kocher sagt: „Der wesentliche Vorteil unserer Technik besteht darin, dass wir zunächst wie bei einem herkömmlichen Aortenklappenersatz vorgehen und erst nach der Vermessung entscheiden müssen, ob eine Erweiterung notwendig ist.” Mit einem recht einfachen zusätzlichen Schritt könne man viel größere Klappenprothesen einsetzen, ohne die Herzkranzgefäße zu stören. Besonders wichtig sei, dass die Technik nicht nur mit dem üblichen Zugang funktioniere, sondern auch minimalinvasiv und sogar endoskopisch.

Standardisierter Ablauf für Aortenklappenersatz

Die neue Technik ist Teil eines größeren Vorhabens: An der Abteilung wird der chirurgische Aortenklappenersatz von Grund auf neu aufgestellt und erhält einen standardisierten Ablauf. Mit einem universell anwendbaren Messkopf wird zunächst das Naturmaß des Aortenrings genommen. Dazu wird die passende Klappe gesucht. Ist der Aortenring zu klein, wird die Aortenwurzel im Zuge der Alfred-Kocher-Technik erweitert. Im Zuge dieser Entwicklung wurden mehrere Erfindungsmeldungen gemeinsam mit der Abteilung für Technologietransfer der MedUni Wien zum Patent eingereicht.

„Bei der Aortenklappenchirurgie müssen wir heute nicht nur die unmittelbare Operation, sondern den gesamten weiteren Behandlungsweg unserer Patient:innen berücksichtigen“, sagt Daniel Zimpfer, Leiter der Universitätsklinik für Herz- und Thorakale Aortenchirurgie. Eine ausreichend große Klappenprothese sei dafür eine wichtige Voraussetzung. Die neue Technik erweitere die Möglichkeiten, bereits beim ersten Eingriff optimale Bedingungen für die langfristige Versorgung zu schaffen.

Die Universitätsklinik für Herz- und Thorakale Aortenchirurgie nimmt damit international eine führende Rolle bei der Weiterentwicklung des chirurgischen Aortenklappenersatzes ein. Ziel ist es, bestehende Limitationen der Operation zu überwinden und gleichzeitig schonendere Zugangswege sowie optimale Voraussetzungen für das langfristige „Lifetime Management“ der Patientinnen und Patienten zu schaffen.

Quelle: OTS

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