Wiener Museum lädt zum Mitgestalten ein

Im Jüdischen Museum Wien können Besucher ihre Gedanken zur Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ an einer Wand festhalten.
Eine Zeichnung zeigt drei Menschen am Bahnhof Wien Meidling: ein Muslim, ein Christ und ein Jude warten gemeinsam auf den Zug. Entstanden ist das Bild an einer Mitmachwand im Jüdischen Museum Wien, die Teil der Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ ist.
Die Wände waren zu Beginn fast leer, mittlerweile sind sie übervoll mit Zeichnungen, Texten und Statements. Dokumentiert wurden die Beiträge bis 7. Oktober 2026. Besucher können dort ihre Eindrücke zu den Werken des Künstlers Eran Shakine festhalten.
Niederschwelliges Angebot zum Mitmachen
Neben den beschreibbaren Wänden gibt es vorgedruckte Zettel mit Satzanfängen und Bildfragmenten, die ergänzt und aufgehängt werden können. Das Konzept ist bewusst einfach gehalten: Es braucht wenig Zeit, Material oder Vorwissen.
Die bereits vorhandenen Beiträge nehmen die Angst vor dem leeren Blatt. Besucher können zwischen Lesen, Zeichnen, Kommentieren und Anschauen wechseln. Dabei übertragen sie die vorgegebenen Figuren auf Alltagsszenen, Herkunftsorte und persönliche Botschaften.
Von Toleranz zu Respekt
Eine Besucherin schlug vor, die Wand müsse eigentlich „Wall of Respect“ heißen. Toleranz komme vom lateinischen tolerare und bedeute ertragen. Wer toleriert, hält etwas aus. Respekt hingegen komme von respicere – zurückblicken, hinsehen. Das verlange mehr: den Anderen wirklich anzusehen.
Manche Zeichnungen erweitern das Figurenensemble auch um andere Religionen. Zwischen den Beiträgen entsteht ein zeitversetztes Gespräch, in dem eine neue Spur auf das antwortet, was andere zuvor hinterlassen haben.
Bezug zu Lessings Ringparabel
Die drei Figuren erinnern an Gotthold Ephraim Lessings „Ringparabel“ aus dem Drama „Nathan der Weise“. Darin geht es um einen Vater, der drei Söhne gleichermaßen liebt und jedem einen Ring gibt. Nach seinem Tod beansprucht jeder Sohn, den echten Ring zu besitzen.
Ein Richter kann die Echtheit nicht feststellen und fordert jeden auf, so zu leben, als sei sein Ring der wahre. Die drei Ringe symbolisieren das Judentum, das Christentum und den Islam. Die Parabel behauptet nicht, dass die drei Religionen dasselbe sind. Ihre Botschaft lautet vielmehr, dass sich nicht belegen lässt, welche Religion die richtige ist. Wichtig ist das Verhalten der Gläubigen.
Ausstellung läuft bis November
Nicht alle Beiträge an der Wand beziehen sich unmittelbar auf das Thema der Ausstellung, manche gehören eher in die Kategorie „Ich war da“. Im Museum wartet der Satzanfang „A Muslim, a Christian and a Jew and I ...“ darauf, weitergeschrieben zu werden.
Die Ausstellung läuft bis 8. November 2026. Die Beiträge werden regelmäßig entfernt, um Platz für neue Ideen zu schaffen.
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