Wiener Neustadt: Seltene Beckenbodenoperation erstmals in Österreich

Mathias FischerMathias Fischer
Ärzte in einem Operationssaal in Österreich, die OP-Kleidung tragen.
© Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg

Am Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg wurden sechs Frauen mit einer in Österreich sehr seltenen Operationsmethode behandelt. Dabei wurde der durch Geburten geschädigte Beckenbodenmuskel rekonstruiert.

Das Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg hat eine medizinische Premiere vollzogen: Erstmals wurden am Standort Wiener Neustadt Levator-Plastiken durchgeführt – operative Rekonstruktionen des Beckenbodenmuskels, die in dieser Form in Österreich sehr selten umgesetzt werden. Sechs Patientinnen wurden bereits erfolgreich operiert.

Ermöglicht wurde der innovative Eingriff durch die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Frédéric Ris aus Genf. Der international renommierte koloproktologische Chirurg hat diese Operationsmethode entwickelt und begleitete erstmals in Österreich eine Operation dieser Art.

„Dass das Universitätsklinikum Wiener Neustadt-Hochegg diesen Eingriff anbietet, unterstreicht eindrucksvoll die hohe medizinische Kompetenz und Innovationskraft unseres Landes“, erklärte der für die NÖ Kliniken zuständige Landesrat Anton Kasser. Für Niederösterreich bedeute das eine Stärkung des Gesundheitsstandortes und einen konkreten Fortschritt für betroffene Frauen.

Muskelverletzungen durch Geburt oft unbemerkt

Während einer natürlichen Geburt wirken enorme Kräfte auf den Beckenboden ein. Der sogenannte Levatormuskel kann dabei überdehnt oder teilweise abgerissen werden. Solche Verletzungen sind äußerlich oft nicht erkennbar und bleiben daher häufig unbemerkt.

Teilabrisse können bei bis zu zehn Prozent der Spontangeburten und bei bis zu 30 Prozent der Geburten mit Saugglocke auftreten. Betroffene Frauen leiden in weiterer Folge unter einem instabilen Beckenboden, Beschwerden bei Geschlechtsverkehr, Problemen beim Halten von Harn und Stuhl oder Einschränkungen beim Sport. Unbehandelt kann sich langfristig auch eine Senkung der Gebärmutter, Scheide, Harnblase oder des Enddarms entwickeln.

Spezialisierte Diagnostik als Voraussetzung

Die Eingriffe wurden von Ass.-Prof. Dr. Balázs Stenczer, leitender Oberarzt für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, gemeinsam mit seinem Team vorbereitet. Nach sorgfältiger Auswahl wurden sechs Patientinnen für die Operationen vorgesehen.

Voraussetzung für eine Levator-Plastik sind eine spezialisierte Diagnostik und eine sorgfältige individuelle Indikationsstellung. Die Methode kommt gezielt für Patientinnen infrage, bei denen ein entsprechender Levatorabriss festgestellt wurde und eine operative Rekonstruktion medizinisch sinnvoll ist.

Prof. Dr. Frédéric Ris beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der operativen Rekonstruktion von Levatorabrissen und hat seine Methode und Ergebnisse in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Wissenschaftliche Weiterentwicklung geplant

„Die Durchführung dieser Operationen ist für unser Klinikum ein wichtiger Schritt. Wir wollen die Methode nun im Rahmen wissenschaftlicher Studien weiterentwickeln und bei geeigneten Patientinnen auch mit anderen Beckenbodenoperationen kombinieren“, erklärte Ass.-Prof. Dr. Balázs Stenczer.

Neben der Weiterentwicklung der Operation sieht das Team auch die Aufklärung als wichtige Aufgabe. Je früher Levatorverletzungen erkannt werden, desto gezielter können sie behandelt und langfristige Beschwerden vermieden werden.

Der Levatormuskel, auch Afterhebemuskel genannt, ist der größte und stärkste Muskel des Beckenbodens. Er trägt wesentlich dazu bei, Gebärmutter, Scheide, Harnblase und Enddarm in ihrer Position zu halten und ist damit unter anderem für Kontinenz und die Funktion des Beckenbodens von großer Bedeutung.

Quelle: https://www.landesgesundheitsagentur.at/presse/presseaussendungen/newsdetail/premiere-im-universitaetsklinikum-wiener-neustadt-hochegg-neue-op-methode-bei-beckenbodenverletzungen-etabliert

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