Wiener Neustadt verkauft 1.646 Gemeindewohnungen um 64,1 Millionen Euro

Die niederösterreichische Statutarstadt hat die Neuordnung ihres kommunalen Wohnbaus abgeschlossen. Die letzten Mieteinheiten wurden an die neuen Besitzer übergeben. Mit dem Erlös sollen die verbleibenden 610 Wohnungen saniert werden.
In Wiener Neustadt ist die Umstrukturierung des städtischen Wohnbaus mit der Übergabe der letzten von insgesamt 1.646 Mieteinheiten an die neuen Besitzer abgeschlossen. Der Erlös wurde am Montag mit 64,1 Millionen Euro beziffert. Die Mittel sollen nun für die dringend notwendige Sanierung und Modernisierung der 610 im Eigentum der Stadt verbleibenden Einheiten verwendet werden.
Die Mieteinheiten wurden in elf Paketen zu 18 bis 379 Wohnungen an sieben Bieter veräußert. Die Kaufpreise lagen zwischen rund 800.000 und 13,7 Millionen Euro. Zu den Käufern zählen drei gemeinnützige Wohnbaugesellschaften und vier private Investoren.
Erlös über geschätztem Marktwert
Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) sprach in einem Pressegespräch von einem positiven Ergebnis. Die erzielte Summe liege um 5,5 Millionen Euro über dem geschätzten Marktwert der Gutachten von 58,6 Millionen Euro.
Für die im Eigentum der IFP Immobilien Freizeit Parken Wiener Neustadt GmbH und damit im direkten Einflussbereich der Statutarstadt verbleibenden 610 Einheiten werde bereits an einem Sanierungskonzept gearbeitet. Historische Bauten wie der Karl-Renner-Hof oder Pernerstorfer-Hof seien als Teil der Identität Wiener Neustadts nicht aus der Hand gegeben worden. Gleiches gelte für Einrichtungen wie das Frauenhaus oder das Jugend- und Kulturzentrum „Triebwerk“. Für die Mieterinnen und Mieter in den verkauften Objekten komme es zu keinen Änderungen.
Größtes Projekt österreichweit
Schneeberger bezeichnete die umgesetzte Neuordnung als „notwendig“ und als „größtes derartiges Projekt österreichweit“. Es gebe rund zehn interessierte Gemeinden, die das Projekt genau beobachten würden, weil sie denselben Druck hätten, fügte der Stadtchef auf Nachfrage hinzu.
Hannes Havranek, Partner bei FSM Rechtsanwälte, merkte an, dass die Neustrukturierung unter günstigen Bedingungen erfolgt sei. Durch politisches Handeln sei einem späteren Notverkauf zu deutlich niedrigeren Preisen vorgebeugt worden. Christian Töltl, Geschäftsführer der IFP Wiener Neustadt, bezeichnete den Schritt als „alternativlos“. Manuel Bugl, Head of Investment Properties bei CBRE, sprach von einem der größten Prozesse jemals – es seien 186 potenzielle Interessenten kontaktiert worden.
Kontrollamt prüft Verfahren
Schneeberger kündigte an, dass der Wiener Neustädter Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagnachmittag das Kontrollamt mit der Prüfung des gesamten Verfahrens beauftragen werde. Es gehe um Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
Die Statutarstadt hatte im Oktober 2025 bekanntgegeben, den kommunalen Wohnbau neu zu ordnen. Für 1.646 der 2.256 Einheiten wurden neue Eigentümer gesucht. Rund ein Viertel bleibt im Eigentum der Stadt. Der Immobiliendienstleister CBRE hat in einem mehrstufigen Verfahren den Gremien der Eigentümerin IFP GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtholding, Vergabevorschläge für die Bestbieter unterbreitet. Weil ein hoher Leerstand in den vergangenen Jahren Millionenabgänge verursacht hat, sind durch den Verkauf ab 2027 Einsparungen von rund 2,5 Millionen Euro vorgesehen.
Quelle: APA
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