Wiener Neustadt: Wohnhäuser komplett dekarbonisiert

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In der Josef-Bierenz-Gasse in Wiener Neustadt wurden zwei totalsanierte Wohnhäuser an die Bewohner übergeben. Die Baugenossenschaft „Wien-Süd“ hat die 1993 errichteten Gebäude komplett dekarbonisiert und damit ein Pilotprojekt im Bestand umgesetzt.

Am 2. September 2026 fand in Wiener Neustadt die feierliche Schlüsselübergabe für die sanierten Wohnhäuser in der Josef-Bierenz-Gasse 12-14 statt. Anwesend waren die Geschäftsleitung der „Wien-Süd“, Bürgermeister Schneeberger sowie Vertreter der Stadt und die künftigen Bewohner.

Die beiden Gebäude wurden ursprünglich 1993 fertiggestellt. Nun hat die Baugenossenschaft die ohnehin geplante Sanierung genutzt, um darüber hinaus ein umfassendes Dekarbonisierungsprojekt im Bestand zu realisieren. Hintergrund ist der Klimawandel und die damit veränderten Anforderungen an den sozialen Wohnbau.

Luftwärmepumpe und Photovoltaik statt Gas

Christof Anderle, Vorstand der „Wien-Süd“, betonte, dass dies „für uns als Bauträger das erste, aber sicher nicht das letzte umfassende Dekarbonisierungsprojekt ist“. Dank der Unterstützung mit Wohnbauförderungsmitteln liege die leistbare Miete bei rund 10,80 Euro pro Quadratmeter Wohnnutzfläche bei Eigenmitteln von unter 200 Euro pro Quadratmeter.

Das alte Gasheizsystem wurde auf Luftwärmepumpe umgerüstet. Die Energieversorgung erfolgt über neu errichtete PV-Anlagen auf den Dächern der beiden Wohnhäuser. Zusätzlich wurden auf 30 neu errichteten Carports PV-Module installiert, deren Leistung die öffentliche Beleuchtung und den Energiebedarf der Wärmepumpen abdeckt.

Alle Wohnungen wurden von Zentral- auf Fußbodenheizung umgestellt. Die gesamten Elektro- und Sanitärinstallationen wurden erneuert. Einheiten ohne Balkone erhielten vorgehängte Balkone, was die Wohnqualität deutlich erhöht. Elektrisch betriebener Sonnenschutz hilft bei der Regulierung der Raumtemperatur.

Regenwassermanagement und Urban Gardening

Das Außenraumkonzept wurde in Kooperation mit „Natur im Garten“ völlig neu erarbeitet. Busch- und Baumpflanzungen dienen als Beschattungselemente für Spiel- und Aufenthaltsbereiche und beeinflussen das Mikroklima merkbar. An heißen Tagen wirkt es dadurch fühlbar kühler.

Tanks ermöglichen ein aktives Regenwassermanagement: Durch das Auffangen von überschüssigem Regenwasser wird ein Teil der Bewässerung der Freiflächen abgedeckt. Die Begrünung der Dachbereiche gewährleistet einen natürlichen Temperaturausgleich und damit eine teilweise Kühlung der Wohnhausanlage.

Auf den ebenerdigen Grünflächen wurden Pflanztröge für Urban Gardening aufgestellt. Sie dienen nicht nur dem Garteln im unmittelbaren Wohnumfeld, sondern auch dem Austausch unterschiedlicher sozialer Schichten und damit einer Stärkung der Hausgemeinschaft. Ergänzt werden diese Maßnahmen von „Naschhecken“ für Kinder mit Ribisel- oder Johannisbeersträuchern.

E-Mobilität und Gemeinschaft

Sämtliche Stellplätze sind für E-Mobilität vorgerüstet. Um diese Flächen zu entsiegeln, wurden sie mit Rasengittersteinen ausgestattet. Zwei freistehende Fahrradabstellräume ergänzen das Mobilitätskonzept.

Bürgermeister Schneeberger dankte der „Wien-Süd“ für die Umsetzung des Projekts. Die Bewohner lebten nun in einem Haus, das nach den nachhaltigsten Konzepten adaptiert wurde. Er wünsche sich gemeinsam mit Vizebürgermeister Rainer Spenger, dass die Nachbarn einander kennen und eine nachhaltige Gemeinschaft bilden.

Die umfangreichen Maßnahmen wurden als gemeinschaftlicher Prozess von Genossenschaft und Bewohnern gestaltet, um das Pilotprojekt zur Zufriedenheit aller verwirklichen zu können.

Quelle: OTS

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