Wiener Philharmoniker mit vier Nachrufen bei Festspielen

Mitglieder der Wiener Philharmoniker präsentierten am Montagabend im Haus für Mozart vier musikalische Nachrufe von Pärt, Britten, Wagner und Strauss. Die Werke verbindet ihr Charakter als Abgesänge in unterschiedlichen Formaten.
Bei den Salzburger Festspielen erklangen am Montagabend vier Kompositionen, die als musikalische Nachrufe konzipiert wurden. Mitglieder der Wiener Philharmoniker brachten Stücke von Arvo Pärt, Benjamin Britten, Richard Wagner und Richard Strauss zur Aufführung, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit durch ihren Abgesangscharakter verbunden sind.
Pärt würdigt verstorbenen Kollegen
Den Beginn machte Pärts „Cantus in Memory of Benjamin Britten“, mit dem der heute 90-jährige Este 1977 dem kurz zuvor gestorbenen Kollegen Tribut zollte. Mit zwölf Streichern und einer Glocke entfaltet der Komponist in kanonischer Form jene flirrende Klangfläche, die später charakteristisch für ihn werden sollte. Die einzelne Glocke stützt dabei die Musik, anstatt sie voranzutreiben. Das frühe Werk für Pärts eigenen „Tintinnabuli-Stil“ endet in einem finalen Glockenschlag.
Brittens Nachtstücke mit Prégardien
Als programmatische, wenn auch chronologisch umgekehrte Antwort folgte Brittens „Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester“. Für diese Aufführung hatte man sich den Liedexperten Julian Prégardien geholt. Britten vertonte 1943 nach seiner Rückkehr aus dem US-Exil nach England sechs Gedichte über die Nacht. Die Komposition zeichnet sich durch große Ausdrucksvielfalt und stellenweise verspielte Leichtigkeit aus, die Pärt völlig fremd ist.
Das Horn von Josef Reif weckt unweigerlich pastorale Assoziationen, doch Britten geht mit der Nacht zu Gericht und zielt auf ihren Charakter als Verwandte des Todes ab. Prégardien gestaltete das für ihn hochgesetzte Stück mal neckisch, mal mit voller Vehemenz.
Wagner im Streichsextett
Auch im zweiten Teil des Abends stand das Prinzip der Reduktion im Mittelpunkt. Das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner erklang in einer Fassung für Streichsextett. Die Bearbeitung stammt vom Salzburger Violinisten Sebastian Gürtler, bekannt als Mitglied der Philharmonix. Das eigentlich monumentale Werk funktioniert auch in der Sechserkombination, die naturgemäß solistische Einzelleistungen besser hervorhebt.
Strauss' Abschied von einer Epoche
Den Abschluss bildeten Richard Strauss' „Metamorphosen“, die ursprünglich für 23 Streicher komponiert sind, aber auch in der Drittelung auf sieben funktionieren. Der bereits hochbetagte Komponist schrieb diesen Abgesang auf seine Zeit, sich selbst, die Spätromantik und eine ganze Epoche der Menschheit wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Trotz der Schwere des Abschieds angesichts der Zerstörungen verpassten die Musiker beim Lauf der Motive durch die Instrumentengruppen den Noten stellenweise eine beinahe jazzige Intonation und milderten so die Vehemenz des Verlusts. Am Ende dieses heißen Salzburger Festspieltages blieb dennoch der Eindruck einer Melancholie angesichts des Verlusts und der Unausweichlichkeit, der gut ins Miserere-Thema der Ouverture spirituelle zu Beginn des Festivals gepasst hätte.
Quelle: APA
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