WILD erweitert Produktentstehung um soziale Komponente

Das Unternehmen WILD hat seinen Produktentstehungsprozess um eine sozial-organisatorische Ebene ergänzt. Damit sollen Projekte nicht mehr nur technisch, sondern auch menschlich besser steuerbar werden.
WILD hat gemeinsam mit Stephan Richter, Geschäftsführer der sr-global consult, den klassischen Produktentstehungsprozess um eine soziale Dimension erweitert. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass Projekte häufiger an zwischenmenschlichen Faktoren als an technischen Problemen scheitern.
„Projekte scheitern in der Praxis selten an mangelnder technischer Expertise. Das eigentliche Nadelöhr ist der Mensch“, erklärt Wolfgang Warum, Managing Director bei WILD Electronics. Die technische Komplexität sei beherrschbar, mindestens ebenso wichtig sei allerdings die soziale Komplexität.
Vier Hebel als Frühwarnsystem
Das neue transdisziplinäre Projektmanagement arbeitet mit vier zentralen Hebeln. Michael Reissig, Head of Development bei WILD, beschreibt diese als Navigationshilfe und Frühwarnsystem.
Der erste Schritt ist eine fundierte Frühdiagnose, die Reibungspunkte und unklare Prioritäten sichtbar macht, bevor sie den Projekterfolg gefährden. Der zweite Hebel ist die konsequente Systemkopplung, die das technische System mit dem Projektsystem verbindet. Dadurch werden alle internen und externen Experten so vernetzt, dass das gesamte Team jederzeit kollektiv handlungs- und entscheidungsfähig bleibt.
Eine klare Verantwortungslogik bildet den dritten Hebel. Sie legt fest, wer wann welche Entscheidungen final treffen darf. Der vierte Hebel nutzt die allgemeine Konfliktsteuerung und behandelt Meinungsverschiedenheiten als wertvolle Warnsignale.
Praxisbeispiel Operationsmikroskop
Franz Aigner, Head of Medical Technology, und Anna Poms, Key Account Managerin bei WILD, präsentierten den Ansatz kürzlich gemeinsam mit WILDDESIGN beim Branchenkongress „PEP Reloaded“. Als Beispiel diente SeeLuma™, das weltweit erste volldigitale 3D-Operationsmikroskop, das WILD fertigt.
„Bei einem solchen technologischen Quantensprung bricht beim Projektstart eine immense Flut an Anforderungen über die Teams herein“, sagt Dennis Kulage, Leiter des WILDDESIGN Head Office. Diese hohe Komplexität führe ohne Gegensteuerung dazu, dass Teams isoliert bleiben und nicht miteinander kommunizieren.
Bereits zu Projektbeginn wandelt der Designer komplexe Anforderungen in ein erstes greifbares Bild um. Damit wird eine gemeinsame Vision für das Team geschaffen. Der Industriedesigner agiert als Bindeglied zwischen Entwicklung, Fertigung und den späteren Anwendern.
Chirurgen von Beginn an eingebunden
Der spätere Nutzer – in diesem Fall der Chirurg – saß von Beginn an mit am Tisch. Noch bevor detaillierte technische Entwicklungen starteten, baute WILDDESIGN Mockups aus einfachen Materialien wie Karton oder Holz. Damit wurden die Ergonomie, Griffpositionen und die komplexe Mechanik des Okulars direkt am Modell getestet und optimiert.
Um die tatsächlichen Anforderungen im OP zu verstehen, begleiten die Medical Designer bereits in frühen Projektphasen Eingriffe im klinischen Umfeld. Sie untersuchen die räumlichen Gegebenheiten, die Interaktion mit den eingesetzten Geräten, die Arbeitsabläufe des OP-Teams sowie Faktoren wie Lichtverhältnisse und Kabelmanagement.
Die Erkenntnisse fließen in realitätsnahe Simulationen ein, die in den eigenen Räumlichkeiten aufgebaut werden. Dadurch können Anwender und Projektteam Benutzeroberflächen und Funktionsbereiche bereits vor der Programmierung und technischen Entwicklung unter realistischen Bedingungen testen.
Wirtschaftlicher Vorteil durch Frontloading
Dieses radikale Frontloading ist laut WILD ein enormer wirtschaftlicher Gewinn. Denn jede spätere Änderung koste Wochen oder gar Monate, speziell bei streng regulierten Medizintechnik-Produkten. Das transdisziplinäre Projektmanagement blockiere genau diese unnötigen Kostenfallen.
Als Technologiepartner, der ausschließlich im Kundenauftrag entwickelt und fertigt, bringe man seit jeher alle Beteiligten frühzeitig an einen Tisch. Dieses partnerschaftliche Parallelisieren schaffe ein tiefes Verständnis für Arbeitsweisen und Bedürfnisse.
Quelle: https://www.wild.at/news/soziale-architektur-fuer-technologische-exzellenz
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