Wildtierrettungen bringen Kärntner Tierheime an Grenzen

Junge Amseln, Spatzen und Igel werden derzeit vermehrt in Kärntner Einrichtungen abgegeben. Die Tierpfleger im TIKO Klagenfurt arbeiten rund um die Uhr, doch oft brauchen die Tiere gar keine Hilfe, so der ORF.
Die Mitarbeiter des TIKO in Klagenfurt sind derzeit besonders gefordert. Neben der regulären Versorgung der Tiere sorgen vor allem zahlreiche Wildtiere für zusätzlichen Aufwand. Häufig werden junge Amseln, Spatzen, Elstern, Tauben und Krähen abgegeben, gefolgt von Igeln, Eichhörnchen und Fledermäusen.
Der Arbeitsaufwand sei enorm, erklärt Anna Offner, Präsidentin des TIKO. Dazu kämen nahezu täglich Anrufe von besorgten Bürgern, die Wildtiere vermeintlich in Gefahr sehen. Hier sei viel Aufklärung nötig, so Offner: „Wenn man jetzt also glaubt, man sieht ein alleingelassenes Vögelchen oder ein Wildtier, sollte man einmal zurückgehen, eine Distanz einnehmen und die Situation einfach beobachten. Die Mutter wird nicht herkommen, wenn man so nah am Jungvogel steht.“
Bestimmte Tiere dürfe man überhaupt nicht berühren. „Wenn man ein Rehkitz angreift, dann wird das von der Mutter verstoßen“, warnt Offner. Menschen müssten lernen zu unterscheiden, wann ein Tier tatsächlich in Not sei – etwa wenn es in einen Schacht falle und sich nicht selbst befreien könne. Infoblätter, die gemeinsam mit der Jägerschaft erstellt wurden, sollen das Bewusstsein dafür schärfen.
Vogelhilfe Villach am Limit
Nicht jeder ist berechtigt, Wildtiere zu pflegen. Die Vogelhilfe Kärnten in Villach verfügt über die behördliche Befähigung. Die Einrichtung existiert erst seit Jahresbeginn und finanziert sich ausschließlich über private Spenden. Heuer wurden bereits 268 Tiere betreut, aktuell sind es 27. Neue Tiere werden derzeit nicht mehr aufgenommen, sagt Leiterin Birgit Franc: „Die Leute rufen um 6.00 Uhr in der Früh an, die Leute rufen um halb 11.00 Uhr am Abend an. Die Nachfrage ist extrem hoch, von ganz Kärnten. Es gibt einfach zu wenige Pflegestellen.“
Verschärft wurde die Lage durch den Tod von Dietmar Streitmaier, der in Steuerberg eine Wildstation betrieben hatte, die durch öffentliche Gelder unterstützt wurde. Diese Einrichtung fehlt nun.
Tierärzte fordern Landesstation
Auch Tierärzte spüren die Folgen. In den Praxen werden immer häufiger Wildtiere behandelt, wobei die Kosten meist an den Ärzten hängen bleiben, erklärt Tierärztekammerpräsident Franz Schantl: „Das sollte auch vom Land anders gesehen werden. Das Land Vorarlberg hat seit ein paar Monaten eine eigene Wildtierpflegestation. Also ich sehe nicht ein, warum Kärnten das nicht auch machen und schaffen könnte und da im Tierschutz eigentlich hinten nach hinkt.“
Beim Land Kärnten sehen sich weder Tierschutz- noch Jagdreferat zuständig. Naturschutzreferentin Marika Lagger-Pöllinger (SPÖ) verweist auf die Rechtslage: „Man muss auch die Gesetzesgrundlage beachten und es gibt keinen gesetzlichen Auftrag, Wildtiere zu pflegen oder Wildtierstationen zu errichten. Der Naturschutz, also mein Aufgabenbereich, regelt den Schutz der Arten.“ Diesem werde Vorrang gegeben.
Zumindest in naher Zukunft soll es zu dem Thema einen runden Tisch mit allen Beteiligten geben, wurde aus dem Büro von Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) zugesichert.
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