Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre: So überleben Tiere

Heimische Tierarten haben unterschiedliche Strategien entwickelt, um durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Während Haselmäuse monatelang schlafen, wachen Eichhörnchen regelmäßig auf. Amphibien erstarren bei Kälte komplett.
Schon im Herbst beginnen viele Tiere in Österreich mit den Vorbereitungen auf den Winter. Manche fressen sich Fettreserven an, andere legen Futtervorräte an oder bauen isolierte Nester. Auch ein dichteres Winterfell gehört zu den Anpassungen. Je nach Art nutzen die Tiere Winterschlaf, Winterruhe oder Winterstarre als Überlebensstrategie.
Drei verschiedene Strategien
Beim Winterschlaf fährt der Körper auf Sparflamme: Die Temperatur sinkt auf wenige Grad, Atmung und Herzschlag verlangsamen sich drastisch. Die Tiere wachen kaum auf und zehren von ihren Fettreserven. Anders bei der Winterruhe: Hier bleibt der Stoffwechsel aktiver, die Körpertemperatur sinkt nur leicht. Die Tiere erwachen öfter, um zu fressen und zu trinken. Bei der Winterstarre passt sich die Körpertemperatur der Umgebung an. Die Tiere können sich nicht bewegen und keine Nahrung aufnehmen.
Haselmaus schläft bis zu sieben Monate
Die Haselmaus muss sich im Herbst ausreichend Fettreserven anfressen. Besonders begehrt sind energiereiche Haselnüsse und Faulbaumfrüchte. Von September oder Oktober bis März oder April zieht sich das kleine Tier mit den dunklen Knopfaugen in ein kugelrundes, gut isoliertes Nest am Boden zurück. Bei Außentemperaturen von drei bis fünf Grad schlafen die Haselmäuse ein, ihre Körpertemperatur fällt auf vier Grad. Der Stoffwechsel läuft auf Minimum. Nur für einige Stunden wird er regelmäßig hochgefahren, vermutlich um Abbauprodukte loszuwerden. Futtervorräte legt die Haselmaus nicht an.
Eichhörnchen wacht regelmäßig auf
Das Eichhörnchen versteckt im Herbst zahlreiche Nüsse und Samen an verschiedenen Stellen – meist im Boden, manchmal auch in Baumhöhlen oder Astgabeln. In der kalten Jahreszeit hält es in seinem Nest, dem sogenannten Kobel, Winterruhe. Sein Stoffwechsel wird nicht so stark gedrosselt wie bei echten Winterschläfern. Bei Hunger oder Durst wacht das Tier häufiger und leichter auf, bleibt aber meist nur wenige Stunden aktiv. Dank seines ausgeprägten Geruchssinns findet es seine Vorräte wieder. Vergessene Nüsse und Samen keimen im Frühjahr – so sorgen Eichhörnchen für die natürliche Verbreitung und Verjüngung von Bäumen.
Amphibien erstarren bei Kälte
Amphibien wandern im Herbst von ihren Sommerlebensräumen in geeignete Winterquartiere. Mit sinkenden Temperaturen werden die wechselwarmen Tiere träger, ihre Körpertemperatur und ihr Stoffwechsel sinken. Im Energiesparmodus verbrauchen sie deutlich weniger Energie. Unterschreitet die Temperatur eine artspezifische Schwelle von meist fünf bis acht Grad, stellen sie ihre Aktivität komplett ein und fallen in Winterstarre. Ihr Sauerstoffbedarf sinkt stark. Moorfrösche produzieren bei extremer Kälte sogar ein körpereigenes Frostschutzmittel: Sie reduzieren den Wassergehalt und bilden Glukose, die die Zellen umschließt und vor Frostschäden bewahrt. Als Winterquartiere dienen frostfreie Verstecke wie Felsspalten, Erdlöcher, Laub- und Asthaufen oder Totholz. Manche Arten überwintern im Wasser, etwa im Schlamm am Gewässergrund.
Störungen können tödlich sein
Der Naturschutzbund appelliert, Tiere im Winterschlaf, in Winterruhe oder Winterstarre keinesfalls zu stören. Jedes zusätzliche Aufwachen koste wertvolle Energie, die zum Überleben nötig sei. Bei jedem unnatürlichen Wecken steige der Energieverbrauch stark an, die Fettreserven würden knapp – das Tier könne verhungern. Verlasse es seinen geschützten Schlafplatz, sei es zudem Kälte und Fressfeinden ausgesetzt.
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