Wolf und Papatsetsilas mit Ferdinand-Berger-Preis geehrt

Mona HopfingerMona Hopfinger
Ferdinand-Berger-Preis vor Wiener Rathaus mit Mikrofon und Taxi
© Mit KI (Gemini) generiert

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hat den Ferdinand-Berger-Preis 2026 an ORF-Journalist Armin Wolf und Taxilenker Dimitrios Papatsetsilas vergeben. Die Auszeichnung würdigt ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie.

In der Volkshalle des Wiener Rathauses erhielten Armin Wolf und Dimitrios Papatsetsilas am Abend des 12. Oktober minutenlangen Applaus. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) verlieh ihnen den diesjährigen, ungeteilten Ferdinand-Berger-Preis. Die Auszeichnung geht an Personen, die durch wissenschaftliche oder publizistische Arbeit oder durch besonderes öffentliches Auftreten einen markanten Beitrag gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten geleistet haben.

Zivilcourage nach rechtsextremer Attacke

Dimitrios Papatsetsilas wurde für sein mutiges Einschreiten nach einem Vorfall in Leoben ausgezeichnet. Der Taxilenker hatte nach einem Fest der Burschenschaft Leder Fahrgäste wegen „Sieg Heil!“-Rufen aufgefordert, seinen Wagen zu verlassen, und ihr Verhalten den Behörden gemeldet. Daraufhin wurde er von Gästen des Fests gewalttätig attackiert – darunter Burschenschafter, Kader der Identitären Bewegung sowie ein damaliger parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten.

DÖW-Leiter Andreas Kranebitter verwies bei der Preisverleihung auf die sogenannte Mosaik-Rechte, über die das DÖW bereits vor zwei Jahren in seinem Rechtsextremismusbericht geschrieben habe. Dabei handle es sich um eine arbeitsteilig organisierte Zusammenarbeit verschiedener rechtsextremer Strömungen, die Straße wie Parlament nutzen, um ihre Positionen durchzusetzen. „In Leoben ist diese Mosaik-Rechte in einer Taxifahrt zu einer Bedrohung verschmolzen. Umso wichtiger war das entschlossene Einschreiten von Dimitrios Papatsetsilas“, so Kranebitter.

Laudatorin Barbara Stelzl-Marx betonte: „Dimitrios Papatsetsilas hat mit seinem mutigen Vorgehen eine klare Antwort auf die entscheidenden Fragen gegeben: ‚Wohin wollen wir?' beziehungsweise ‚Wohin wollen wir nicht?'“ Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Krisen brauche es Menschen, die Zeichen setzen und den Blick schärfen. Der sichtlich berührte Preisträger sagte: „Eines ist mir von heute Abend geblieben, wir alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eines haben wir gemeinsam: Wir leben in der Zukunft.“

Journalismus als Dienstleistung für die Demokratie

Armin Wolf, ORF-Journalist und ZiB2-Anchor, wurde für seine langjährige Arbeit im unabhängigen Journalismus ausgezeichnet. Kranebitter verwies darauf, dass der aufkommende Autoritarismus als erstes Journalistinnen und Journalisten sowie Wissenschafterinnen und Wissenschafter ins Visier nehme. Insofern sei es von enormer Bedeutung, dagegenzuhalten.

Oscar Bronner hob in seiner Laudatio Wolfs aufklärerischen Zugang zum Journalismus hervor: „Er sieht ihn als Dienstleistung zum Funktionieren der Demokratie.“ Wolf sei immer bestens vorbereitet und kenne deshalb die Schwachstellen seiner Interviewpartner. Er kenne aber auch die Techniken, mit denen Politiker unangenehmen Fragen ausweichen – und wisse, wie er das verhindern oder zumindest für das Publikum erkennbar machen könne. Es gebe viele Interviews von ihm, die jeder angehende Journalist beziehungsweise Journalistin studieren sollte, so Bronner.

Wolf schloss seine Dankesworte mit einer Beobachtung: „Ich fühle mich sehr geehrt und gleichzeitig finde ich es traurig, dass im 21. Jahrhundert Menschen dafür ausgezeichnet werden, einen Beitrag gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten zu leisten. Ich hatte sehr lange gehofft, dass das nach den Verbrechen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts einfach Mindeststandard ist.“

Preis seit 2018 vergeben

Den Preis haben Ernst und René Berger gestiftet. Sie sind Sohn und Enkel von Ferdinand Berger, einem Widerstandskämpfer und früheren KZ-Häftling, der 2004 starb. Seit 2018 vergibt das DÖW den Preis. Er ist mit 3.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Menschen, die mit wissenschaftlichen oder publizistischen Leistungen oder mit besonderem öffentlichem Auftreten viel gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten getan haben. Eine Jury nominiert die Preisträger. Ihr gehören Paulus Hochgatterer, Andreas Kranebitter, Corinna Milborn, Alexander Mitteräcker, Christine Schindler, Ruth Wodak sowie René und Ernst Berger an. Bisher wurden unter anderem Christa Zöchling, Michael Köhlmeier, Susanne Scholl, Hans Rauscher und Nina Horaczek ausgezeichnet.

Quelle: OTS

Worüber spricht Innere Stadt morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.