WWF warnt vor bis zu 1.000 getöteten Bibern in Österreich

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In sechs Bundesländern könnten trotz Schutzstatus mehr als 1.000 Biber getötet werden. Die Naturschutzorganisation WWF kritisiert die geplanten Tötungskontingente als EU-rechtswidrig und fordert natürliche Prävention statt Abschuss.

Die Naturschutzorganisation WWF schlägt Alarm: In sechs österreichischen Bundesländern droht mehr als 1.000 Bibern der Tod, obwohl die Tiere unter Schutz stehen. Das geht aus einer Auswertung der jährlichen Tötungskontingente in bestehenden und geplanten Verordnungen hervor, die der WWF am Dienstag veröffentlichte. Besonders drastisch ist die Entwicklung in Niederösterreich, wo eine Erhöhung von derzeit 392 auf bis zu 600 Tiere geplant ist.

Sarah Stöger, Artenschutzexpertin beim WWF, kritisiert das Vorgehen scharf. Der Biber schaffe genau das, was gegen Hitze und Dürre gebraucht werde: natürliche Dämme, die Wasser zurückhalten und wertvolle Feuchtgebiete entstehen lassen. Es sei höchst kurzsichtig, den Biber derart aggressiv zu verfolgen. Stöger fordert ein Ende der EU-rechtswidrigen Tötungsregeln und Vorrang für natürliche Prävention.

Niederösterreich plant höchste Abschusszahlen

Neben Niederösterreich als Spitzenreiter nennt der WWF Oberösterreich mit 158 Bibern auf der Abschussliste, Kärnten mit 148, die Steiermark mit 84, Vorarlberg mit insgesamt möglichen 32 und Salzburg mit 15 Bibern. In Kärnten sind zusätzliche Tötungen über diese Kontingente hinaus bei „Gefahr im Verzug“ bereits möglich, in Niederösterreich ist dies ebenfalls vorgesehen.

Jungtiere durch Elterntötung gefährdet

Die regulären Eingriffszeiten erstrecken sich laut WWF meist von Anfang September bis Ende März, um Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit auszusparen. Junge Biber bleiben jedoch bis zu zwei Jahre bei ihren Eltern. Werden die Elterntiere etwa im Herbst getötet, könnten deshalb zwei Jahrgänge ihrer Nachkommen betroffen sein. Die Tötung der Eltern könne auch für viele Jungtiere zum Todesurteil werden, warnte Stöger vor den Folgen des überschießenden Vorgehens mehrerer Bundesländer.

Verstoß gegen EU-Artenschutzrecht

Die untersuchten Verordnungen widersprechen laut WWF-Analyse in zentralen Punkten dem EU-Artenschutzrecht, insbesondere weil die vorgeschriebene Einzelfallprüfung ausgehebelt wird. Die Analyse zeigt zudem Lücken bei Kontrollen, beim Rechtsschutz und der Berücksichtigung von Folgen für Schutzgebiete und zusammenhängende Biberbestände. Das EU-Recht verlange streng begründete Ausnahmen, die Länder machten daraus pauschale Tötungsregeln, kritisierte Stöger. Österreich entferne sich damit immer weiter von den europäischen Schutzvorgaben.

Der WWF fordert die Landesregierungen auf, ihre Verordnungen zu überarbeiten. Jede Ausnahme vom strengen Artenschutz brauche eine nachvollziehbare behördliche Einzelfallentscheidung, eine Prüfung von Alternativen und wirksamen Rechtsschutz. Fachkundige Beratung, geeignete technische Schutzmaßnahmen und ausreichend breite Uferrandstreifen müssten verlässlich finanziert werden. Außerdem sollten die Länder nach einheitlichen wissenschaftlichen Standards gemeinsam erfassen, wie sich Bestände und Tötungen entwickeln und ob die Eingriffe Konflikte dauerhaft lösen.

Quelle: APA

Worüber spricht Niederösterreich morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.