Zeiler: Nur vier bis fünf Streaming-Plattformen überleben

Pia ProdingerPia Prodinger
Marktkonsolidierung: Medieninhalte fließen in einen Trichter und werden zu öffentlichem Wert
© Mit KI (Gemini) generiert

Medienmanager Gerhard Zeiler rechnet damit, dass sich die Zahl der großen Streaming-Anbieter auf wenige Plattformen reduzieren wird. Europäische Unternehmen sieht er dabei nicht unter den Überlebenden. Der Warner Bros. Discovery-Chairman äußerte sich bei den 33. Medientagen in Wien.

Gerhard Zeiler, derzeit Chairman bei Warner Bros. Discovery International, erwartet eine drastische Marktbereinigung im Streaming-Geschäft. Lediglich vier bis fünf große Plattformen würden langfristig bestehen bleiben, prognostizierte er am Mittwoch bei den 33. Medientagen des Manstein-Verlags in Wien. Dass darunter europäische Anbieter sein werden, hält er für ausgeschlossen.

Das Unternehmen, für das Zeiler tätig ist, wird von Paramount übernommen. In einigen Wochen sei mit dem Abschluss der Transaktion zu rechnen. Was dies für seine persönliche Zukunft bedeute, könne derzeit niemand sagen, so der Medienmanager.

Nur sehr große oder lokale Anbieter überleben

Die Fusion von Warner und Paramount sei eine logische Folge davon, dass ausschließlich sehr große oder stark lokal verankerte Medienunternehmen eine Überlebenschance hätten, erklärte Zeiler. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezeichnete er als „Geschenk“, das auch künftig Bestand haben werde. Nur auf diesen zu setzen, wäre jedoch ebenfalls problematisch.

„Medienvielfalt zeichnet eine demokratische Gesellschaft aus. Ein Minimum an Medienvielfalt muss sein“, betonte der frühere ORF- und RTL-Chef. Er forderte die Politik auf, diese Vielfalt aktiv zu fördern.

Präsenz auf allen Plattformen notwendig

Um am Markt zu bestehen, brauche man ein Alleinstellungsmerkmal und müsse mit diesem auf sämtlichen Plattformen vertreten sein. „Es gibt keinen Weg daran vorbei, dass wir auf TikTok und Facebook sind“, sagte Zeiler. Bedauerlich sei, dass es nicht gelungen sei, Social Media medienrechtlich zu definieren.

Für diese Plattformen sollten dieselben Kriterien wie für herkömmliche Medien gelten. „Europa ist stark genug, um diese letztlich auch wirtschaftliche Auseinandersetzung mit den USA zu führen“, zeigte sich Zeiler überzeugt.

Neuer Podcast mit Treichl

Der Medienmanager kündigte zudem einen Podcast an, den er gemeinsam mit Andreas Treichl, CEO der Erste-Stiftung, im Herbst starten wird. Darin werde „über die Welt und andere Unwichtigkeiten“ gesprochen. Thema seien globale Entwicklungen und die österreichische Politik, aber auch Fußball oder die Salzburger Festspiele.

Breitenecker warnt vor Polarisierung

Medienmanager Markus Breitenecker bezeichnete Social Media als „die größten Polarisierungsmaschinen“. Inhalte, die nicht polarisieren, hätten dort keine Chance. „Doomscrolling“ bediene die Süchte der Menschen perfekt. „We are fucked“, so Breitenecker.

Ganz aufgeben wolle er dennoch nicht. Ziel müsse es weiterhin sein, sich auf europäischer Ebene zusammenzuschließen und eigene Social-Media-Projekte zu entwickeln. „Dann haben wir eine kleine Chance“, zeigte sich der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer etwas optimistischer als Zeiler.

Svazek fordert mehr Meinungspluralismus

Marlene Svazek, Landeshauptfrau-Stellvertreterin und FPÖ-Landesparteichefin in Salzburg, war ebenfalls als Diskutantin geladen. Sie erklärte, wie sie vor vielen Jahren zur FPÖ gekommen sei: wegen der „Presse“ und dem „Standard“. In beiden Zeitungen habe sie dieselben Geschichten aus leicht unterschiedlichem Blickwinkel vorgefunden – „mit der Realität inkompatibel“, so Svazek.

Mittlerweile bestimme auch die FPÖ mit eigenen Kanälen über die öffentliche Meinung mit. Der Social-Media-Auftritt der Partei sei nötig, weil es der FPÖ nach wie vor schwerfalle, in traditionellen Medien vorzukommen. Dies belege auch eine Medienanalyse, die sehr professionell betrieben werde.

„Monat für Monat analysieren wir, wo komme ich vor, in welchen Medien komme ich vor, welche Parteien kommen wie oft vor, welcher Journalist schreibt über wen, welcher Journalist schreibt was und in welcher Tonalität“, erklärte Svazek.

In den Redaktionen gebe es keinen Meinungspluralismus, kritisierte sie. Sie wünsche sich mehr Quereinsteiger in traditionellen Medien, um deren Blick zu verändern. „Ich will keine Gefälligkeitsberichterstattung, nur Objektivität“, sagte Svazek.

Dass in Redaktionen nur linke Meinungen verbreitet würden, sieht Breitenecker anders. Dieser Befund sei allerdings bereits Mehrheitsmeinung in Österreich, räumte er ein: „Da hat die FPÖ-Propaganda gut gewirkt.“

Quelle: APA

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