Ziegel im Klimawandel: Veranstaltung zu Architektur und Produktion

Mathias FischerMathias Fischer
Bahnhof Wien-Stadlau mit Lift und Ziegelmauerwerk bei Dämmerung
© Ostertag Architects

ORTE und Wienerberger laden am 30. April 2027 nach Hennersdorf. Vorträge, Werksbesichtigung und Bauvisite zeigen, wie die Ziegelindustrie klimaverträglicher produziert und welche Rolle der traditionelle Baustoff in einer heißer werdenden Welt spielen kann.

Der Ziegel zählt zu den ältesten Baustoffen Europas und steht heute vor neuen Herausforderungen. Wie kann eine energieintensive Industrie klimaverträglicher werden? Welche Eigenschaften bietet das Material in einer zunehmend heißen Welt? Und wie entsteht aus einem traditionsreichen Baustoff anspruchsvolle, zeitgemäße Architektur? Diesen Fragen widmet sich eine Veranstaltung am 30. April 2027 in Hennersdorf bei Wien.

ORTE und die Wienerberger Österreich GmbH spannen einen Bogen von der Architekturgeschichte über den Wandel der industriellen Produktion bis zur gebauten Praxis. Die kostenfreie Veranstaltung findet von 14 bis 17 Uhr in der Hauptstraße 4 statt.

Bauphysikalische Eigenschaften im Fokus

Der Ziegel bringt bemerkenswerte Voraussetzungen für aktuelle Herausforderungen mit. Seine thermische Speichermasse kann dazu beitragen, Innenräume auch bei Hitzewellen und häufiger auftretenden Tropennächten länger kühl zu halten. Seine Robustheit, Langlebigkeit und geringe Wartungsintensität machen ihn zu einem auf Dauer angelegten Baustoff.

Angesichts des sich verändernden Klimas lohnt ein genauerer Blick auf seine konstruktiven und klimatischen Qualitäten. Doch nicht nur der Klimawandel gibt Anlass, den Baustoff neu zu betrachten. Gut gestaltete Ziegelarchitektur ist in Österreich und insbesondere in Niederösterreich ein rares Gut.

Dekarbonisierung der Produktion

Wienerberger Österreich arbeitet an der Dekarbonisierung seiner Produktion und erprobt neue Wege, um einen traditionell energieintensiven Herstellungsprozess klimaverträglicher zu machen. Mit dem Porotherm 25-38 Plan E wird ein CO₂-reduzierter Ziegel unter Einsatz eines elektrisch betriebenen Ofens im industriellen Maßstab hergestellt.

Wie sich Elektrifizierung, Ressourceneffizienz, Digitalisierung und neue Produktionsverfahren konkret auf die Herstellung auswirken, wird bei der Werksbesichtigung anschaulich vermittelt. Auch die Frage nach neuen Rohstoffkreisläufen und der Nutzung regionaler Ressourcen spielt dabei eine Rolle.

Wie lassen sich regionale Ressourcen besser nutzen? Welche Möglichkeiten bieten zirkuläre Produktionsweisen? Und wie können etwa Tone aus Infrastrukturprojekten oder andere Reststoffe wieder in Baustoffe überführt werden? Der Ziegel wird damit zum Beispiel dafür, wie sich ein scheinbar vertrautes Material unter den Bedingungen einer sich wandelnden Industrie neu positioniert.

Bahnhof Hennersdorf als Praxisbeispiel

Der Bahnhof Hennersdorf liefert den Beweis, dass technische Innovation und architektonische Qualität zusammenfinden können. Der 2018 eröffnete Bau von Architekt Markus Ostertag zeigt, was Ziegel leisten kann, wenn er nicht lediglich als Fassadenmaterial eingesetzt wird.

Mehr als 100.000 Klinker prägen den Bau, darunter rund 23.000 eigens entwickelte Akustik-Klinker, deren spezielle Lochung Schall absorbiert. Der Ziegel übernimmt damit zugleich eine gestalterische, konstruktive und akustische Funktion und wird selbst zum Schallschutzelement. Ergänzt wird die Fassade durch rund 81.000 Großloch-Klinker.

Die besondere Verbindung von regionaler Ziegeltradition, innovativer Produktentwicklung, Gestaltung und Schallschutz wurde auch international gewürdigt: Der Bahnhof erhielt den BigSEE Award 2020 in der Kategorie „Öffentliche Gebäude“ und wurde für den ZV-Bauherrenpreis 2019 nominiert.

Programm mit Vortrag und Führungen

Um 14 Uhr begrüßen Johann Marchner, Geschäftsführer der Wienerberger Österreich GmbH, und Ernst Pfaffeneder, Architekt und Vorsitzender von ORTE, die Teilnehmer. Von 14.30 bis 15.15 Uhr hält Adolf Stiller einen Vortrag.

Der Architekt, Architekturwissenschaftler und Kurator, langjähriger Leiter und Herausgeber der Reihe „Architektur im Ringturm“ und ausgewiesener Kenner der österreichischen und internationalen Architekturgeschichte, widmet sich dem Ziegel im Kontext der Architekturgeschichte und der zeitgenössischen Baukultur. Ausgehend von der langen Geschichte des Materials fragt er danach, wie sich seine konstruktiven, gestalterischen und kulturellen Möglichkeiten im Wandel der Architektur verändert haben.

Von 15.30 bis 17 Uhr finden parallele Führungen mit Gruppenwechsel nach 45 Minuten statt. Gruppe A startet mit der Bauvisite am Bahnhof Hennersdorf mit Architekt Markus Ostertag, anschließend folgt die Werksbesichtigung mit Sascha Träger, technischem Vermittler bei Wienerberger Österreich GmbH. Gruppe B absolviert das Programm in umgekehrter Reihenfolge.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Veranstaltung Fotos gemacht und zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Dokumentation verwendet werden.

Quelle: https://orte-noe.at/programm/der-ziegel-industrie-in-transformation

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