Zivilschutz warnt vor Cyberangriffen auf Infrastruktur

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Der Niederösterreichische Zivilschutzverband ruft anlässlich des Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugung zur persönlichen Krisenvorsorge auf. Neben Naturgefahren rücken digitale Bedrohungen in den Fokus: Angriffe auf kritische Infrastruktur können Versorgung beeinträchtigen.

Anlässlich des Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober fordert der Niederösterreichische Zivilschutzverband die Bevölkerung auf, die eigene Vorsorge zu überprüfen und gemeinsam mit der Familie konkrete Vorbereitungen zu treffen. Katastrophen und schwere Krisen ließen sich nicht immer verhindern, doch durch rechtzeitige Vorbereitung könne man die Auswirkungen auf den Alltag wesentlich beeinflussen, heißt es in einer Aussendung.

Der Aktionstag der Vereinten Nationen steht heuer unter dem Motto „Resilience Starts at Home“ – Widerstandsfähigkeit beginnt zu Hause. Im Mittelpunkt stehen sichere, widerstandsfähige Wohnverhältnisse und die Vorbereitung von Haushalten und Gemeinschaften auf Gefahren. Neben Naturgefahren und technischen Störungen verdienen laut Zivilschutzverband auch digitale Bedrohungen besondere Aufmerksamkeit.

Cyberkriminalität in Österreich nimmt zu

Die Relevanz des Themas zeigen aktuelle Zahlen: 2025 wurden in Österreich insgesamt 63.459 Cybercrime-Delikte angezeigt, um 1,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Bei Cybercrime im engeren Sinn stieg die Zahl der Anzeigen um 8,6 Prozent auf 21.988 Fälle. Die Statistik beschreibt unterschiedliche Formen digitaler Kriminalität und unterstreicht die Bedeutung der digitalen Sicherheit.

Für den Bevölkerungsschutz besonders bedeutsam sind Angriffe auf kritische Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Energie- und Wasserversorgung, Gesundheitswesen und Finanzsystem. CERT.at beschreibt, dass solche Einrichtungen international vermehrt im Fokus von Cyberangriffen stehen. Die zunehmende Digitalisierung schaffe Abhängigkeiten: Werden wichtige IT- oder Steuerungssysteme beeinträchtigt, können auch betriebliche Abläufe und Versorgungsleistungen gestört werden.

Die möglichen Auswirkungen reichen über Computer und Datensätze hinaus. Je nach betroffenem System und vorhandenen Schutzmaßnahmen können Strom- oder Wasserversorgung beeinträchtigt werden. Weitere sensible Bereiche sind Telekommunikation, Zahlungsverkehr, Transport und Logistik sowie die medizinische Versorgung. Für Haushalte bedeutet das: Auch auf zeitweilige Einschränkungen beim Einkaufen, Bezahlen, Kommunizieren oder bei der Versorgung sollte man vorbereitet sein.

Landesrat ruft Gemeinden zu Blackout-Vorsorge auf

Martin Antauer, Landesrat für Zivilschutz, betont: „Sicherheit beginnt nicht erst dann, wenn eine Krise eintritt. Sicherheit beginnt mit der richtigen Vorbereitung.“ Mit der Initiative „Krisensichere Gemeinde“ unterstütze der NÖ Zivilschutzverband seit Jahren Gemeinden dabei, sich für den Ernstfall zu rüsten und zertifizieren zu lassen. Er rufe alle Gemeinden auf, dieses Angebot zu nutzen und besonders die Blackout-Vorsorge zu stärken. Das sei auch im Arbeitsübereinkommen der NÖ Landesregierung festgeschrieben.

Mit „Füreinander Niederösterreich“ stärke man zudem den Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe. „Denn eines ist klar: Im Ernstfall zählt nicht nur, wie gut wir vorbereitet sind, sondern auch, wie gut wir zusammenhalten“, so Antauer.

Vorrat für zehn bis 14 Tage empfohlen

Der krisenfeste Haushalt gehört seit Langem zu den Kernthemen des Zivilschutzes. Sein Nutzen sei unabhängig davon, wodurch eine Krise ausgelöst wird: Wer Lebensmittel, Getränke, notwendige Medikamente und geeignete Notfallausrüstung zu Hause hat, kann Einschränkungen besser überbrücken.

Behörden und Einsatzorganisationen arbeiten im Ernstfall daran, Menschen zu schützen und die Versorgung wiederherzustellen. Bei großflächigen Ereignissen kann das dennoch Zeit benötigen. Haushalte, die ihre Grundbedürfnisse vorübergehend selbst abdecken können, entlasten die Hilfsstrukturen und schaffen damit zusätzliche Kapazitäten für Menschen, die dringend Unterstützung brauchen.

Der NÖ Zivilschutzverband empfiehlt, die persönliche Vorbereitung anhand folgender Punkte zu überprüfen:

  • Lebensmittel und Getränke: Einen Vorrat für mindestens zehn bis 14 Tage einplanen. Haltbare Produkte auswählen, die im Haushalt tatsächlich gegessen werden, und auch Lebensmittel bereithalten, die ohne Kochen verzehrt werden können. Babynahrung, besondere Ernährungsbedürfnisse und Haustiere berücksichtigen.
  • Trinkwasser: Den Bedarf aller Haushaltsmitglieder berechnen. 2,5 Liter Wasser pro Person und Tag – für 14 Tage sind das 35 Liter pro Person.
  • Medikamente und Hygiene: Erste-Hilfe-Ausstattung, regelmäßig benötigte Medikamente und persönliche Hygieneartikel bereithalten.
  • Licht und Information: Taschenlampen, Ersatzbatterien und ein Batterie- oder Kurbelradio bereithalten.
  • Zahlungsmöglichkeiten: Eine angemessene Bargeldreserve in kleinen Stückelungen vorsehen, um einen zeitweiligen Ausfall elektronischer Zahlungen überbrücken zu können.

Familien-Notfallplan und digitale Vorsorge

Christoph Kainz, Präsident des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes, erklärt: „Der krisenfeste Haushalt ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Angesichts neuer Bedrohungen wird diese Vorbereitung noch wichtiger.“ Ein sinnvoll angelegter Vorrat, die notwendige Notfallausrüstung und klare Absprachen in der Familie geben Sicherheit und helfen, in einer schwierigen Situation ruhig und handlungsfähig zu bleiben.

Zur Vorbereitung gehört auch ein Familien-Notfallplan. Alle Beteiligten sollten wissen, wo wichtige Vorräte und Hilfsmittel aufbewahrt werden und wie sie sich bei einer Unterbrechung von Stromversorgung oder Kommunikation verhalten. Dazu zählen vereinbarte Treffpunkte, Zuständigkeiten für Kinder und die Unterstützung hilfsbedürftiger Angehöriger. Auch Kinder sollen altersgerecht in die Planung einbezogen werden.

Digitale Vorsorge ergänzt diese Vorbereitung. Aktuelle Programme und Betriebssysteme, unterschiedliche starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein kritischer Umgang mit unerwarteten Nachrichten und Links können das persönliche Risiko reduzieren.

Kurse im Ausbildungszentrum Tulln

Im Ausbildungszentrum Zivilschutz in der Landesgeschäftsstelle des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes in Tulln werden Kurse und Workshops zu zahlreichen Vorsorgethemen angeboten. Das Angebot reicht von Selbstschutzlehrgängen und Funktionärslehrgängen bis zu Fachkursen über Blackout, Kernkraftwerksunfälle und Hochwasser.

Die Teilnehmenden lernen, Gefahren besser einzuschätzen, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und sich im Ernstfall richtig zu verhalten. Die Ausbildung trägt dazu bei, Wissen in konkrete Maßnahmen umzusetzen und Vorsorge dauerhaft im Alltag zu verankern.

Quelle: https://www.gaweinstal.at/Internationaler_Tag_der_Krisenvorbereitung

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