Zugvögel: Nicht alle fliegen bis nach Afrika

Mona HopfingerMona Hopfinger
Rotkehlchen singt auf einem Ast mit jungen Trieben und Kätzchen
© Hans Glader

Zum Weltzugvogeltag am 10. Oktober macht der Naturschutzbund auf die unterschiedlichen Zugstrategien heimischer Vögel aufmerksam. Während manche Arten bis südlich der Sahara fliegen, überwintern andere bereits im Mittelmeerraum oder bleiben sogar in Österreich.

Wenn im Herbst die Zugvögel ihre Brutgebiete in Mitteleuropa verlassen, denken viele Menschen automatisch an weite Reisen bis ins subsaharische Afrika. Doch längst nicht alle gefiederten Wanderer legen auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier Tausende Kilometer zurück. Kurz- und Mittelstreckenzieher bevorzugen deutlich kürzere Distanzen und verbringen den Winter im Mittelmeerraum.

Ob ein Vogel im Herbst wegfliegt, hat weniger mit der Kälte zu tun. Entscheidend ist, ob er genug zu fressen findet. Der Naturschutzbund erklärt: Insekten verschwinden, der Boden friert zu, und Schnee macht die Suche nach Futter schwer.

Von Kurzstrecke bis Langstrecke

Langstreckenzieher wie Gartenrotschwanz, Kuckuck oder Rauchschwalbe fliegen aus diesen Gründen bis südlich der Sahara. Andere Arten bleiben wesentlich näher an ihren Brutgebieten, sofern sie ausreichend Nahrung vorfinden.

Kurzstreckenzieher legen in der Regel weniger als 2.000 Kilometer zurück und überwintern vorwiegend in West- und Südeuropa oder im Mittelmeerraum. Milde Winter nutzen sie flexibel: Einige bleiben, sofern es das Klima zulässt, in der Nähe ihrer Brutgebiete oder gleich dort.
Mittelstreckenzieher reisen meist weiter und steuern häufig Nordafrika, den Nahen Osten oder den nördlichen Rand der Sahara an. Ihr Zugverhalten ist starrer und stärker festgelegt als jenes der Kurzstreckenzieher.

Mäusebussard, Star und Co. mit unterschiedlichen Strategien

Der Mäusebussard ist in Österreich das ganze Jahr über zu sehen. Im Winter stoßen Artgenossen aus dem Norden und Osten Europas zu den Standvögeln, die ebenfalls in ihren Brutgebieten überwintern. Manche heimischen Brutvögel zieht es hingegen in den Süden, wo ihnen die offenen Kulturlandschaften Südeuropas mit Wiesen, Feldern und Brachen gute Jagdgründe bieten.
Flexibler zeigt sich der Hausrotschwanz: Viele Tiere fliegen kurze bis mittlere Strecken ins Mittelmeergebiet. Inzwischen überwintern aber auch einzelne Vögel in Österreich, etwa an felsigen, sonnigen Stellen und in Siedlungen.
Die Singdrossel, ein Kurz- bis Mittelstreckenzieher, überwintert überwiegend in Südwesteuropa oder Nordafrika. Strukturreiche Landschaften mit Gehölzen, Gebüschen und fruchttragenden Sträuchern sichern ihr dort die Nahrung.
Auch beim Star bricht nur ein Teil der Population gen Süden auf. Viele Tiere überwintern in Südwest- und Südeuropa oder Nordafrika, vorwiegend in offenen Kulturlandschaften, auf Wiesen und Äckern sowie in Obstbaugebieten. Große Schwärme und gemeinschaftliche Schlafplätze in Gehölzen oder Schilf machen ihn zu einem besonders auffälligen Zugvogel.

Lebensräume als Rastplätze unverzichtbar

Selbst Vögel, die die Sahara nicht überqueren, sind auf ein funktionierendes Netz geeigneter Lebensräume angewiesen. Feuchtgebiete, naturnahe Wiesen, Äcker, Hecken, Gehölze und strukturreiche Kulturlandschaften bieten Zugvögeln Rastplatz, Nahrung und Winterquartier. Gehen diese Flächen verloren, wird auch eine vergleichsweise kurze Reise für die Tiere mitunter zur tödlichen Gefahr.
Weil viele Kurz- und Mittelstreckenzieher in jenen Gebieten überwintern, in denen Langstreckenzieher rasten, komme dem Schutz dieser Lebensräume besondere Bedeutung zu, betont der Naturschutzbund.

Sichtungen melden erwünscht

Wer im Herbst Mäusebussarde, Stare, Singdrosseln, Hausrotschwänze und andere Zugvögel beobachtet, kann die Sichtungen via Foto auf www.naturbeobachtung.at oder über die gleichnamige App teilen. Der Naturschutzbund bittet gemeinsam mit „Tierisch engagiert“, einer Initiative von Fressnapf, um Mithilfe.

Beobachtungsdaten machen sichtbar, wie sich Vorkommen und Zugzeiten über längere Zeiträume verändern. Jede geteilte Vogelsichtung liefert einen Beitrag, um die Wanderungen der gefiederten Tiere besser zu verstehen.

Quelle: https://naturschutzbund.at/newsreader-36/items/zugvoegel-fernreise-oder-doch-lieber-kurzstreckenflug.html

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