Zwei Forscherinnen aus Krems erhalten Wissenschaftspreise

Mathias FischerMathias Fischer
Wirtschaftspreis Niederösterreich: Preisträger mit Jury und Vertretern in St. Pölten
© Klaus Ranger

Das Land Niederösterreich hat zwei Wissenschafterinnen der Universität für Weiterbildung Krems ausgezeichnet. Julia Mourão Permoser erhielt einen Anerkennungspreis für ihre Migrationsforschung, Isabell Grundschober und Heidrun Maurer den Preis für innovative Hochschullehre.

Am 29. September überreichten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf die Wissenschaftspreise des Landes Niederösterreich 2026 im Rahmen einer Feier. Zwei der Auszeichnungen gingen an Forscherinnen der Universität für Weiterbildung Krems.

Die Migrationsforscherin Julia Mourão Permoser wurde für ihre Arbeit zur Frage geehrt, wie gesellschaftliche Werte die Migrationspolitik beeinflussen. Isabell Grundschober und Heidrun Maurer erhielten den Preis für innovative Hochschullehre für das Lehrformat digiWERKSTATT, das Gemeinden bei der Bewältigung von Verwaltungsherausforderungen unterstützt.

Forschung zu Zielkonflikten in der Migrationspolitik

„Ich verstehe diese Auszeichnung als wichtiges Zeichen der Anerkennung und Unterstützung für hochwertige, wissenschaftlich unabhängige Migrationsforschung – gerade in Zeiten starker Polarisierung“, sagte Julia Teixeira Mourao Permoser. Ihr liege eine Forschung am Herzen, die über die Perspektiven geopolitischer Machtzentren und Regierungsinteressen hinausblicke, um Migration im Zusammenspiel vielfältiger Akteurinnen und Interessen besser zu verstehen.

Die Wissenschafterin erforscht, wie Akteurinnen handeln, wenn Ziele wie humanitärer Schutz und Grenzkontrolle in Konflikt geraten. Solche Dilemmata entstehen auch innerhalb von Gruppen mit gemeinsamen Zielen, etwa in der Seenotrettung oder im Kirchenasyl.

Zusammen mit Rainer Bauböck und Martin Ruhs entwickelte sie einen Ansatz, der diese Zielkonflikte systematisch analysierbar macht. „Wir wollen Lösungen anbieten, auch wenn sich echte Dilemmata natürlich nicht aus der Welt schaffen lassen. Aber man kann sie entschärfen“, so Mourão Permoser.

ERC-Förderung für Folgeprojekt

Ab Oktober 2026 führt die Forscherin ihre Arbeit im Projekt „Ethics in Action: Navigating Ethical Dilemmas of Migrant Solidarity“ weiter. Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert das Vorhaben mit einem Consolidator Grant. Ein interdisziplinäres Team wird in zehn Ländern und Regionen untersuchen, wie Akteursgruppen mit Dilemmata bei der Unterstützung von Migrantinnen und Geflüchteten umgehen und welche Faktoren ihre Entscheidungen prägen.

Univ.-Prof. Dr. Julia Teixeira Mourao Permoser, MA BS ist Universitätsprofessorin für Migration und Integration am Department für Migration und Globalisierung der Universität für Weiterbildung Krems und leitet dort das PhD-Programm Migration Studies.

Gemeinde-Hackathon als innovatives Lehrformat

Isabell Grundschober und Heidrun Maurer erhielten den Preis für innovative Hochschullehre für die digiWERKSTATT, die sie gemeinsam konzipiert und umgesetzt haben. Das Format ist als Gemeinde-Hackathon angelegt: Gemeinden bringen konkrete Problemstellungen aus ihrer Verwaltung ein, die Studierende, Gemeindemitarbeitende und IT-Unternehmen gemeinsam bearbeiten.

In intergenerationalen, interdisziplinären und interprofessionellen Teams entstehen unter methodischer Begleitung digitale Lösungen in Form von Prototypen. Die Teilnehmenden stärken dabei ihre Problemlöse- und Entscheidungsfähigkeit sowie ihre digitale Innovationskompetenz und lernen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.

„Gemeinden bei der Lösung praktischer Probleme des Alltags zu helfen und den Mitarbeitenden dabei neue Perspektiven auf die Möglichkeiten digitaler Technologien zu eröffnen, war eine großartige Erfahrung als Forscherin“, sagte Isabell Grundschober zu ihrer Auszeichnung.

Die erste Durchführung verantwortete die Universität für Weiterbildung Krems didaktisch, in Kooperation mit der Geschäftsstelle für Digitalisierung und Innovation des Landes Niederösterreich und dem Haus der Digitalisierung.

Isabell Grundschober, BEd BSc MA, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Weiterbildungsforschung und Bildungstechnologien der Universität für Weiterbildung Krems und war für die wissenschaftliche Konzeption, Begleitung und Evaluierung der digiWERKSTATT verantwortlich. Dr.in Heidrun Maurer, Senior Scientist am Department für E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung, hat das Format maßgeblich mitgestaltet und begleitet.

Tradition seit 1964

Seit 1964 fördert das Land Niederösterreich herausragende Forscherinnen, die durch ihre Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Eigenständigkeit des Landes leisten. Jedes Jahr werden Würdigungs- sowie Anerkennungspreise sowie der Preis für innovative Hochschullehre verliehen. Die Wissenschaftspreise werden von der Niederösterreichischen Landesregierung auf Vorschlag eines Fachbeirats zuerkannt.

Quelle: https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/news/2026/julia-mourão-permoser-und-isabell-grundschober-mit-wissenschaftspreisen-des-landes-niederoesterreich-ausgezeichnet.html

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