Akt.:

20 Jahre Internet: "Von Facebook wird kein Mensch mehr reden"

20 Jahre Internet: "Von Facebook wird kein Mensch mehr reden" © AP
Die Art und Weise, wie der Mainstream-User das Internet nutzt, wird sich in den kommenden zehn Jahren massiv verändern.

 (2 Kommentare)

Korrektur melden

Fragt man Trend- und Technikexperten, spielen dabei vor allem die Schlagworte Sicherheit und Sinnhaftigkeit eine bedeutsame Rolle. “Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden”, zeigte sich Zukunftsforscher Matthias Horx im APA-Gespräch überzeugt. “Soziale Netzwerke sind heute schon weit über ihren Hype hinaus.” Massive Ausstiegswellen seien in den USA bereits jetzt Realität.

Den Grund sieht Horx vor allem in der benutzerunfreundlichen Beschaffenheit des World Wide Web, die den Computer derzeit noch zu einer “zeitfressenden Maschine macht, die überhaupt nicht das bringt, was sie soll”. Die Prognose des Forschers: “Soziale Verlierer verbleiben in den Netzen – diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen.”

Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica in Linz befürchtet gar die Entwicklung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: “Social Media baut derzeit auf der gratis Info-Freigabe auf.” Bleibe das Internet rein über den freien Markt geregelt, dürften kostenlose Dienste zunehmend mit einem Offenlegen der Privatsphäre “bezahlt” werden. “Wer es sich leisten kann, benutzt dann teure Foren”, meint Stocker, der in den kommenden Jahren aber auch zwei andere Alternativen für möglich hält.

“Das erste Szenario ist auf jeden Fall, dass es wesentlich stärkere Reglementierungen geben wird”, so der Experte. Mit dem Argument, dass Bürger und Wirtschaft geschützt werden müssten, sei dies für Staaten nur eine Frage des technischen Aufwands. “Lieber” wäre Stocker eine Revolution, bei der die Bürgerrechte aus dem realen Leben auf die virtuelle Welt übertragen werden. Denkbar sei dies durch ein Übernahme gewisser Infrastrukturen in den öffentlichen Bereich, was einen ungehinderten, freien Meinungsaustausch sicherstellen würde, erklärte Stocker. Genauso wie der Staat für Parkanlagen und Räume sorge, an denen Menschen unbeschränkt kommunizieren könnten, sollte er dies auch im Internet ermöglichen.

Beeinflusst wird der bevorstehende Entwicklungsprozess laut beiden Experten maßgeblich von den immer deutlicher werdenden Gefahren und dem kriminellem Missbrauch des Internets, das dadurch seinen bisherigen Unschuldscharakter zunehmend verlieren wird: “40 Prozent der Menschen kaufen im Internet ein – aber trauen ihm nicht”, kritisierte Horx. Die Folgen: “Wir werden in zehn Jahren so eine Art Cyberrecht haben.” Und: “Es gibt einen Offline-Trend. Menschen gehen bewusst weg vom Internet und verweigern es. Die Frage ist, wie groß diese Bewegung wird.” Am Beispiel Google Street-View “wird plötzlich klar, dass die neue Digitalität nicht vor dem Gartenzaun haltmacht. Wir werden noch viele solche Dinge erfahren”, ist auch Stocker überzeugt.

Der Blick auf mögliche Innovationen im Internet ist ebenfalls nicht unbedingt rosig: Getreu dem Sprichwort “Geld regiert die Welt” werden Entwicklungen gebremst, nur was sich wirtschaftlich lohnt wird forciert. Ein Beispiel dafür ist laut Stocker der nicht vorhandene Einsatz von Mobiltelefon-Ortungen für Stauprognosen. “In jedem Auto fährt mindestens ein Handy mit”, erklärte Stocker. Schon jetzt könne man anhand dessen sehr präzise feststellen, wie viele Personen an einem Ort eingelockt seien bzw. sich auf einen Punkt zu bewegen. “Nur es gibt niemanden, der damit Geld machen kann”, kritisierte er. In fast jedem kleinen Gegenstand sei heute schon ein internetfähiger Chip integriert, profitiert werde davon aber nur bei einem volkswirtschaftlichen Nutzen.

Zusätzlich dürfte das Festhalten an archaisch Verankertem für nur schleppende Fortschritte sorgen. Modernisierungen im Autosektor seien beispielsweise schwierig, betonte Horx. “Menschen lieben die jetzige Physikalität, vor allem Männer. Das Auto ist ein lange evolutionär gewachsener Gegenstand.” Triumphmeldungen über die bald bevorstehende Fernsteuerung des Straßenverkehrs machen den Zukunftsforscher daher ebenso skeptisch wie der generelle Ruf des Internets: “Es ist ein großer Irrtum, dass das Internet wahnsinnig schnell ist. In Wirklichkeit ist das Internet wahnsinnig langsam”, verurteilt Horx den gängigen Ruf des World Wide Web als reine “Selbst-Propaganda”.

Seine Argumente dafür: Nur ungefähr 15 Prozent der Menschen nützen Social-Network-Plattformen und erst 20 Prozent leben im sogenannten Internet-Zeitalter. Die meisten Menschen gehen immer noch von ihrem Desktop online und verwenden keine mobilen Geräte. Bis das Internet als Hintergrundtechnologie für alle realisiert wird, dauert es laut Horx mindestens bis Mitte dieses Jahrhunderts.



Kommentare 2

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig

HTML-Version von diesem Artikel
Mehr auf austria.com
Black Friday – Das Milliardengeschäft mit dem neuen Schnäppchentag
Erst schwappten der Valentinstag und Halloween von Amerika nach Deutschland. Jetzt fasst auch der in den USA für seine [...] mehr »
Russische App zeigt Frauen ungeschminkt
In Zeiten von aufgehübschten Fotos in sozialen Netzwerken haben russische Entwickler kuriose App entwickelt: Sie [...] mehr »
Ex-Manager verrät, wie fahrlässig Facebook mit Daten umgeht
Facebook steht immer wieder in Kritik, sensible Daten zu sammeln. Was mit diesen geschieht, weiß allerdings niemand so [...] mehr »
Smartphone-App erweckt Kunstwerke in der Albertina zum Leben
Mit der Smartphone-Applikation des Wiener Startups "Artivive" werden einige der populärsten Kunstwerke in der [...] mehr »
“Star Wars: Battlefront II” im Test: Hübsch, aber ohne Inspiration
EA tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste: War "Star Wars: Battlefront" als reiner Multiplayer-Titel schon [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

Jennifer Lawrence ist wieder Single

“Anna Fucking Molnar”-Event mit Nina Proll im Village Cinema Wien Mitte

Pamela Anderson kommt nach Vorarlberg

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung