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Bayern legt Pläne für dritten Konzertsaal in München auf Eis

Nach jahrelangem Streit hat die bayerische Landesregierung die Pläne für einen dritten Konzertsaal in München offiziell auf Eis gelegt. Stattdessen soll die Philharmonie im Gasteig komplett umgebaut werden. Ungeachtet heftiger Kritik stellte sich das Kabinett damit am Dienstag hinter den kürzlich von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bürgermeister Dieter Reiter (SPD) ausgehandelten Plan.

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Dieser sieht vor, dass in der alten Hülle des Kulturzentrums Gasteig ein komplett neuer Konzertsaal entstehen soll. Dort soll neben den Münchner Philharmonikern auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) eine Heimat bekommen, mit abwechselnden Belegungsrechten. Die Entscheidung sorgt seit ihrer Verkündung Anfang Februar für heftige Proteste und Kritik nicht nur in der Kultur- und Musikwelt. Seehofer persönlich wird vorgeworfen, sein Wort gebrochen zu haben

Nun äußerte sich erstmals der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters Mariss Jansons – und zwar mit einer scharfen Attacke: “Wir wurden zum Narren gehalten”, sagte er. Die Politik habe zehn Jahre lang mit immer wieder neuen Ideen und Vorschlägen auf Zeit gespielt. Von der Entscheidung gegen einen eigenständigen dritten Konzertsaal sei er dann absolut überrascht gewesen. “Schockiert” habe ihn, dass die BR-Orchester nicht an dem entscheidenden Gespräch teilnehmen konnten. Er werde aber mit dem Orchester weiter für einen neuen Saal kämpfen.

Die Staatsregierung verteidigte die Entscheidung. “Wir wollen nun gemeinsam mit der Landeshauptstadt München eine deutliche Verbesserung für die Musikwelt in München erreichen”, erklärte Kunstminister Ludwig Spaenle. Ein realisierbarer Standort für einen weiteren Konzertsaal stehe derzeit nicht zur Verfügung, betonte er. 40 alternative Standorte seien geprüft und wieder verworfen wurden.

Die Details des Konzepts soll Spaenle in den kommenden Monaten ausarbeiten – auch in Absprache mit den Münchner Philharmonikern und dem BR-Symphonieorchester. “Unsere Prämissen sind, dass für die beiden Orchester ein gemeinsames Nutzungskonzept erstellt wird, geeignete Ausweichspielstätten zu finden sind und der Herkulessaal entsprechend aufgewertet werden kann”, sagte er am Dienstag.

Offenbar gibt es aber auch eine Art Notausgang: Bei einem Scheitern der Pläne könne doch eine “alternative Option” infrage kommen, zitierten “Süddeutsche Zeitung” und “Münchner Merkur” aus einer Vorlage das Kabinett – nämlich ein Neubau in der Nähe des Odeonsplatzes. Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) betonte aber, in der letzten Fassung des Papiers sei dies nicht enthalten gewesen.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm blieb bei seiner Forderung nach einem dritten Saal. In kaum einem anderen Bereich stehe München so unangefochten an der Weltspitze wie bei der Musik. “Jeder Generation politisch Handelnder muss daran liegen, dieses Erbe weiter zu pflegen”, sagte er. “Man sollte jetzt nicht viel Geld für eine bloße Stagnation oder allenfalls eine milde Verbesserung der bestehenden Verhältnisse ausgeben.”



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