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Fast drei Viertel der Türken in Österreich stimmten mit Ja

Fast drei Viertel der Türken in Österreich stimmten mit Ja © AFP/Themenbild
Die Türken in Österreich haben sich deutlicher für die umstrittene Verfassungsreform in der Türkei ausgesprochen als ihre Landsleute in der Heimat. In den Ländern “mit hohem Gastarbeiter-Anteil” fiel die Zustimmung beim Referendum durchwegs deutlich höher aus als in der Türkei selbst, berichtete der Österreichischer Integrationsfonds in einer Aussendung am Montag.

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Während in der Türkei am Sonntag abgestimmt wurde, hatten in Österreich die Türken an diplomatischen Vertretungen in Wien, Salzburg und Bregenz zwischen 27. März und 9. April Gelegenheit zur Stimmabgabe. Nach Auszählung aller Stimmen in Österreich stimmten laut amtlicher Agentur Anadolu 73,23 Prozent (38.215) für die Einführung des Präsidialsystems, 26,77 Prozent (13.972) dagegen. In Deutschland waren es 63 Prozent “Ja”-Stimmen, in Frankreich 65 Prozent, in den Niederlanden 71 Prozent und in Belgien 75 Prozent.

Schweiz: Ja-Lager klar in der Minderheit

Ungleich niedriger war hingegen die Zustimmung der Wahlberechtigten in Schweden (47 Prozent), im Vereinten Königreich (20 Prozent), sowie in der Schweiz (38 Prozent), in der es einen stark überdurchschnittlichen Anteil von Aleviten gibt. Ebenfalls klar ablehnend die Wahlberechtigten in den USA (16 Prozent Ja-Stimmen), Russland (26 Prozent) und Australien (42 Prozent), so die Aussendung.

Rund 2,9 Millionen Stimmberechtigte beim gestrigen Verfassungsreferendum lebten außerhalb der Türkei, drei Viertel von ihnen in fünf europäischen Ländern: In Deutschland waren 1,43 Mio. wahlberechtigte Türken registriert, in Frankreich 326.000, in den Niederlanden 253.000, in Belgien 138.000 und in Österreich 108.561.

Im Ausland stimmten 59,2 mit “Ja”

Nach den Zahlen von Anadolu stimmten im Ausland insgesamt 59,2 Prozent der Wahlberechtigten mit “Ja”, im Inland waren es demnach 51,2 Prozent. Die Zahlen von Anadolu weichen leicht von denen der Wahlkommission ab. Insgesamt waren im Ausland rund 2,9 Millionen Wahlberechtigte registriert, rund die Hälfte davon in Deutschland. Auslandstürken machten etwa fünf Prozent aller Wahlberechtigten aus.

117.000 türkische Staatsangehörige in Österreich

Rund 273.000 Personen mit türkischem Migrationshintergrund (d.h. sie selbst oder beide Elternteile wurden im Ausland geboren) lebten laut Integrationsfonds 2015 in Österreich, die meisten Personen mit türkischem Migrationshintergrund wohnten in Wien (110.000). Mit Blick auf die Staatsangehörigkeit waren demnach zu Jahresbeginn 2017 knapp 117.000 türkische Staatsangehörige in Österreich ansässig.

Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind laut Statistischem Jahrbuch Migration & Integration 2016 deutlich niedriger qualifiziert als Österreicher ohne Migrationshintergrund: Bei den niedrigeren Bildungsabschlüssen zeigen sich bei der Bevölkerung mit türkischem Migrationshintergrund überdurchschnittliche Anteile. Verfügten 2015 nur elf Prozent der inländischen Bevölkerung (25-64 Jahre) maximal über einen Pflichtschulabschluss, war dieser Anteil bei der Bevölkerung türkischen Migrationshintergrunds mit 61 Prozent mehr als fünf Mal so hoch, so die Aussendung.

Klare Unterschiede zeigt demnach auch die Beschäftigungsstatistik: Während die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2015 bei Österreichern bei 8,1 Prozent lag, war sie bei Türken mit 19,8 Prozent mehr als doppelt so hoch. Im Vergleich zu Österreichern stehen Personen mit Migrationshintergrund statistisch seltener im Erwerbsleben: 74 Prozent der Österreicher ohne Migrationshintergrund (15-64 Jahre) waren im Jahresdurchschnitt 2015 erwerbstätig; bei Türken waren es nur 54 Prozent. Besonders auffällig ist laut Integrationsfonds die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen: Bei österreichischen Frauen lag die Erwerbstätigenquote 2015 bei 70 Prozent, bei türkischen Frauen hingegen bei 42 Prozent.

Türkische Gemeinde Deutschland würdigt Nein-Lager-Engagement

Die Türkische Gemeinde in Deutschland würdigte nach dem insgesamt knappen Sieg des Ja-Lagers laut Agentur AFP das Engagement des Nein-Lagers. “Die hohe Zahl der Nein-Stimmen ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen der Wahlkampf geführt wurde”, sagte Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde, den Zeitungen “Heilbronner Stimme” und “Mannheimer Morgen” (Dienstag). Obwohl die Opposition als Vaterlandsverräter denunziert worden sei, seien die Menschen entschlossen gewesen, “sich gegen die Autokratie zu stellen”. Angesichts von mehr als 60 Prozent Zustimmung für die Verfassungsreform unter den in Deutschland lebenden Türken müssten Wege gefunden werden, “wie man diese Menschen besser erreicht, die in Deutschland in Freiheit leben, aber sich für die Menschen in der Türkei die Autokratie wünschen”, sagte Sofuoglu.

Kurdische Gemeinde: “Farce”

Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Toprak, bezeichnete das Ergebnis als “Farce”. Der “Huffington Post” sagte Toprak, der nationale Wahlausschuss habe “eine Freigabe für nicht-gestempelte Wahlzettel und nicht versiegelte Wahlurnen erteilt”. So lange nicht explizit nachgewiesen werde, “dass diese extern ausgefüllt oder befüllt wurden, werden sie bei der Auszählung berücksichtigt”, kritisierte er. Toprak warf dem türkischen Präsidenten Recep Tayyp Erdogan vor, sein Land “endgültig gespalten” zu haben. Von einem Triumph für Erdogan könne aber keine Rede sein. Der Präsident habe die Türkei “in allen Bereichen gleichgeschaltet”, das Referendum im Ausnahmezustand abgehalten, aber “dennoch nur die Hälfte der Stimmen erhalten”. Dies sei “ein sensationelles Ergebnis für die Gegner Erdogans”.

Milli Görus: “Wahl respektieren”

Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus, Kemal Ergün, erklärte, das Votum beider Lager genieße “gleichermaßen Respekt”. “Jetzt gilt es, diese Wahl zu respektieren und gemeinsam nach vorne zu schauen”, forderte er. Vor allem im Ausland lebende Türken dürften aufgrund ihrer Wahl für oder gegen die Verfassungsänderung weder angefeindet noch ausgegrenzt werden. Alle Akteure seien aufgerufen, “sich für die Etablierung der Kompromisskultur einzusetzen und zur Versöhnung und Vereinigung der Lager beizutragen”, erklärte Ergün.

(APA/Red.)



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