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Kleists “Der zerbrochne Krug” überzeugte in Kobersdorf

Wolfgang Böck als Dorfrichter Adam Wolfgang Böck als Dorfrichter Adam - © APA (SCHLOSS-SPIELE KOBERSDORF/VOGUS)
Im 45. Festspieljahr und im 14. Jahr seiner Intendanz hat Wolfgang Böck bei den Schlossspielen Kobersdorf mit Heinrich von Kleists Lustspiel “Der zerbrochne Krug” abermals eine sehr gelungene Produktion vorgelegt. Die überzeugende und kurzweilige Inszenierung von Werner Prinz erfreute bei der Premiere am Dienstagabend mit originellen Details.

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Dorfrichter Adam (Böck spielt ihn mit souveränem Understatement) amtiert nicht in einer repräsentativen Kanzlei, sondern milieugemäß im schäbigen Retro-Ambiente einer abgetakelten Garage, in der eine Rostschüssel von Oldtimer offenbar auch als gelegentlicher Unterschlupf dient und deren Flohmarkt-Mobiliar durch eine Garnitur Autoreifen ergänzt wird (Bühnenbild: Erich Uiberlacker): ein dörfliches Anti-Idyll. Zu Beginn dröhnt es aus dem antiken Kofferradio: “Küss die Hand, Herr Kerkermeister, ich bin wieder da!” – zum EAV-Hit anno 1985 shaken sich die Mägde Grete und Liese weg. Als der Schreiber Licht (Hannes Gastinger gestaltet ihn als famos-intelligentes Faktotum) aufkreuzt, wird schnell auf Orgelmusik geswitcht.

Dann taucht der Gerichtsrat Walter (Alexander Strömer) aus Brüssel – klar doch – zwecks Inspektion auf. Unerbittlich und überlegen lässt er den ramponierten Adam während der peinsamen Verhandlung anrennen, während er selbst Zeitung lesend ein Fußbad im Blechschaff nimmt. Derweil alteriert sich die Beschwerdeführerin Marthe (Hannah Hohloch), während Adam seine eigene Verfehlung gegenüber der jungen Eve (Saskia Klar) dem jungen Ruprecht (Bela Bufe), Sohn des linkischen Großbauern Tümpel (Michael Reiter), in die Schuhe zu schieben versucht. Doch als Frau Brigitte als Zeugin auftaucht (Erich Schleyer gibt zum Gaudium des Publikums eine matronenhafte Riesin mit Sherlock-Holmes-Qualitäten), nachdem die Mägde zur servierten Jause zweistimmig “Üb immer Treu und Redlichkeit” zum Besten gegeben hatten, kommt die Wahrheit zum Durchbruch.

Ein im Zeitalter von Fake-News und postfaktischer Symptomatik wahrlich zeitgemäßes Stück! Dem Regisseur ist es allerdings geglückt, vordergründige Aktualität zu vermeiden, dem Stück selbst zu vertrauen und dem Lauf des Geschehens Raum zu geben. Diese Rechnung ist bestens aufgegangen.

(APA)



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