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Vorarlberg hat die meisten Drogenabhängigen nach Wien

Vorarlberg hat pro 100.000 Einwohner im Bundesländervergleich die meisten Drogenabhängigen nach Wien. “Die Zahlen bewegen sich zwischen 900 und 1.500 Personen”, berichtete der Suchtkoordinator des Landes, Thomas Neubacher, am Mittwoch. Die ambulanten Drogenberatungsstellen Clean begleiteten in den vergangenen zehn Jahren über 15.000 Menschen. Dieser Tage feiern sie ihr 25-jähriges Bestehen.

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Christine Köhlmeier (Stellenleiterin Clean Feldkirch), Primar Reinhard Haller (Chefarzt der Stiftung Maria Ebene) und Thomas Neubacher (Suchtkoordinator Land Vorarlberg) resümierten am heutigen Mittwoch über 25 Jahre Suchtarbeit in Vorarlberg. Im Laufe dieser Jahre hat sich das Suchtverhalten in Vorarlberg maßgeblich verändert.

Von drei zu über 30 Mitarbeitern

1992 eröffnete die Stiftung Maria Ebene die ambulante Therapieeinrichtung Clean Feldkirch. „Der Bedarf war vor 25 Jahren plötzlich akut und es gab in Vorarlberg zu diesem Zeitpunkt praktisch keine ambulante Behandlungsmöglichkeit – der Aufbau einer Beratungs- und Betreuungsinfrastruktur war dringend erforderlich“, erklärte Primar Reinhard Haller. Dem Clean Feldkirch folgten noch insgesamt sechs weitere Institutionen, darunter 1993 das Clean Bregenz und 2005 das Clean Bludenz. Nahmen 1992 drei Mitarbeiter ihre Arbeit im Clean Feldkirch auf, sind heute über 30 Personen im ambulanten Bereich der Stiftung tätig.

Von illegalen Drogen “zurück” in die Alkoholsucht

Im Jahr 2016 betreuten die Mitarbeiter des Clean Feldkirch 1.000 Personen langfristig, die drei Clean-Stellen in den letzten zehn Jahren gesamt weiter über 15.000 Klienten. Die Verteilung der verschiedenen Substanzen hat sich über die Jahre nicht allzu sehr verändert. „Auffallend ist jedoch, dass die Diagnose Alkoholsucht stark zugenommen hat – meist begründet dadurch, dass viele Klienten nach dem Ausstieg aus dem illegalen Drogenkonsum auf die legale Droge Alkohol ‚umsteigen’. Ebenso hat der multiple Substanzmissbrauch zugenommen“, sagte Christine Köhlmeier: „Verhaltenssüchte wie die Glückspielsucht sind darüber hinaus weiter auf dem Vormarsch und die Zahl der Substituierten steigt konstant an.“ Dieser Entwicklung und Trends trägt die Stiftung Maria Ebene seit Jahren mit einer Weiterentwicklung der Betreuungsstrukturen und der Adaption von Therapiekonzepten Rechnung.

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„Vorarlberger Weg in der Drogenpolitik ist richtig“

Vorarlberg ist durch die Nachbarschaft zum angrenzenden Ausland stärker in der Drogenproblematik betroffen als andere Bundesländer, betont Gesundheitslandesrat Christian Bernhard: „Es ist daher wichtig, den eingeschlagenen Weg der Prävention und Aufklärung sowie die Zusammenarbeit mit den Beratungs- und Therapieeinrichtungen im Land weiter zu forcieren. Mit der Angebotserweiterung bei der Beratungsstelle Clean Bregenz wird es ab 2018 eine weitere Anlaufstelle für Substitutionsbehandlung geben.“ Der Landesrat dankt in diesem Zusammenhang Primar Reinhard Haller und allen Mitarbeitenden, die in der Suchtarbeit tätig sind, für ihren jahrzehntelangen Einsatz und ihr Engagement.

660 Personen in Vorarlberg in Substitutionsbehandlung

Betrachtet man die Zahlen österreichweit, haben etwa 30 bis 40 Prozent der jungen erwachsenen Österreicher Konsumerfahrung mit Cannabis, 2 bis 4 Prozent mit Ecstasy, Kokain und Amphetaminen, rund 1 bis 2 Prozent mit Opioiden wie Heroin oder Morphin. „Opioidkonsum macht aber aktuell das Gros des risikoreichen Drogenkonsums in Österreich aus. Etwa 85 Prozent aller Personen in drogenspezifischer Betreuung werden wegen Opioidabhängigkeit behandelt“, erklärte Thomas Neubacher, Suchtkoordinator des Landes: „In Vorarlberg bewegen sich die Zahlen der Abhängigen zwischen 900 bis 1500 Personen. Umgelegt auf 100.000 Einwohner ist dies im Bundesländervergleich die zweithöchste Zahl nach Wien.“ Die Zahl der betreuten Substituierten hat sich im 10-Jahres-Vergleich verdreifacht – von 132 auf 397 Personen. Österreichweit befinden sich derzeit zirka 17.600 Personen in Substitutionsbehandlung, in Vorarlberg sind dies rund 660.

Sucht als eines der größten Probleme der Gegenwart

Auffallend ist in den letzten Jahren – so Christine Köhlmeier – dass die Gruppe jener Klienten, die zu verelenden droht, immer größer wird: „Dies sind vor allem Personen, die schon lange in der Substitution sind und nur in ihrem eigenen sozialen Milieu eingebunden sind – mit wenigen persönlichen und aufrechten familiären Ressourcen. Meines Erachtens wird für diese Personengruppe ambulant betreutes Wohnen in Zukunft immer wichtiger werden – inklusive tagesstrukturierenden und arbeitsanleitenden Projekten. Darüber hinaus ist derzeit keine Stagnation bei den Glückspielsüchtigen absehbar.“ Primar Haller führte abschließend an: „Süchtige Verhaltensweisen sind zu einem der größten sozialmedizinischen Probleme der Gegenwart geworden.“

(VLK)



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